»Ich werde morgen mit ihm nach Keßten fahren, wenn sein Zustand es erlaubt. Es ist doch besser für ihn, wenn er wieder zu Hause ist.«

»Freilich, freilich,« sprach der Dekan. Er würde viel darum gegeben haben, wenn er den unerwünschten Gast nach Keßten hätte zurückversetzen können; seine Nähe war ihm unheimlich. Eilig sagte er zu Perkow gute Nacht und entfernte sich so schnell er konnte. Joachim stand lang in düstere Gedanken verloren da. Erst als er eine Magd eintreten sah – nicht die hübsche Uschei, die hatte mittlerweile geheiratet, sondern eine Fremde –, schreckte er aus seinem Sinnen empor und folgte dem Freund.

Georg lag auf dem Bette, das Gesicht in die Kissen vergraben.

»Der gewünschte Glühwein steht auf dem Tisch, Georg,« sagte Juchei.

»Ach ja! Den hatte ich vergessen. Verzeih, daß ich Dich umsonst bemüht habe, ... ich darf keinen Wein trinken und das war mir entfallen. Aber Eis soll ich nehmen, wenn ich fühle, daß das Blut kommt.«

»Das – Blut?« wiederholte der andere mit starrem Blick. »Hustest Du denn Blut?«

»Ja, manchmal,« antwortete Harteck gleichgültig. »Im Anfang hat es mich erschreckt, doch jetzt habe ich mich bereits daran gewöhnt. Es verschafft mir sogar eine Art von Erleichterung.«

»Ich werde Eis holen lassen,« sagte Joachim leichenblaß und starrte den Freund noch immer an. Georg versuchte zu lächeln, aber der Versuch mißlang. Seine Mundwinkel bebten nervös, als ob er gegen Tränen kämpfte, – dann fiel er auf die Kissen zurück und: »Paula! Paula! Paula!« kam es mit wildem, sehnsuchtkrankem Schrei von seinen Lippen.

»Georg!« rief Joachim und stürzte zu ihm hin. »Du tötest Dich, Georg, ...« er faßte ihn bei den Schultern und rüttelte ihn, ... der arme Junge wußte in seiner Hilflosigkeit nicht, was er tat, ... »komm zu Dir!«

»Mein süßes, treues, armes Mädchen!« rief Harteck mit schluchzender Stimme. »Wenn sie wüßte, daß ich ihr so nahe bin! Ach! Wie es mich gepackt hat, als ich an ihrem Hause vorüberfuhr! Alles lebte in mir auf, ... all unser kurzes, jammervolles Liebesglück ... Glück! Daß Gott erbarm!«