»Ach, Onkelchen, nicht böse sein!« antwortete sie und faltete kindlich die Hände. »Ich habe mich verschlafen. Als ich erwachte, war es bereits zu spät, zur Messe zu gehen, ... ich hatte nicht einmal mehr Zeit, mich anzukleiden und mein Haar in Ordnung zu bringen, ... ich schäme mich so vor dem Herrn Kooperator,« sagte sie unter heftigem Kopfschütteln, drehte ihre Tasse hin und her und lächelte den Kaffee an. »Was soll er von mir denken!«

»Ich, gnädiges Fräulein?« fragte Harteck aufblickend. »Ich würde trostlos sein, wenn Sie sich meinetwegen irgendeinen Zwang auferlegten.«

»Sie sind zu freundlich,« sagte sie mit denselben Gesten wie vorhin. »Aber ich weiß, daß es sich nicht schickt, vor Herren ...« Sie stockte und errötete. »Wirklich, ich schäme mich zu Tode.«

»Laß jetzt diesen Gegenstand fallen und steh' in Zukunft früher auf,« sagte der Dekan.

»Wie kann ich das, Onkelchen, wenn ich so schlecht schlafe in der Nacht? Ich habe mich gestern sehr geärgert, und wenn ich mich ärgere, kann ich nicht schlafen.«

»Ich möchte doch wissen, worüber oder über wen Du Dich schon wieder geärgert hast,« versetzte der Dekan mit einem Achselzucken.

»Nun, ... über Fräulein Reinberg, Onkel.«

Der Dekan fuhr von seinem Sitze auf: »Habe ich Dir nicht schon zu wiederholten Malen untersagt, mit diesen Leuten umzugehen?«

»Verzeih' mir, Goldonkelchen!« antwortete sie und faltete neuerdings die Hände. »Ich bin nun einmal so, ... ich kann die Menschen nicht entbehren. Den ganzen Tag bin ich allein, ... alle Welt ist beschäftigt und hat keine Zeit, mit mir zu plaudern ... und das macht mich ganz krank. In meiner Verzweiflung bin ich denn gestern zu Fräulein Reinberg gegangen und habe sie zu einem gemeinsamen Spaziergang aufgefordert.«

»Nun, und sie? Sie hat doch nicht die Unverfrorenheit gehabt, Dich abzuweisen?«