»Das nicht, ... aber sie ist eine so kalte, man möchte sagen hochmütige Person. Hochmütig, Onkel, gegen mich! Ich bitte Dich! Denn ohne mir zu schmeicheln, nehme ich doch in der Welt eine ganz andere Stellung ein als Fräulein Reinberg, ihr Vater ist am Ende nur ein simpler Landarzt, und sie sollte sich, meinte man, beglückt fühlen, wenn die Tochter eines Hofrates sich herbeiläßt, mit ihr zu verkehren ...«

»Dir geschieht ganz recht. Wer Pech angreift, besudelt sich, und wer sich in den Kopf setzt, mit Leuten zu verkehren, die nicht zu ihm passen, wird immer unangenehme Erfahrungen machen.«

»Du hast ja so recht, Onkelchen. Nicht wahr, ich bereite Dir viel Verdruß? Ich wette, ich wette,« sagte Fräulein Aurelie und drohte schelmisch mit dem Finger, »daß Du im Grunde Deines Herzens manchmal denkst: Wenn doch meine querköpfige, närrische kleine Nichte wieder fort wäre! Ist es nicht so?«

»Du bist vom Gegenteil so gut überzeugt wie ich,« versetzte der Dekan und stand auf. »Herr Kooperator,« wendete er sich an diesen, der sich gleichzeitig mit dem Dekan erhoben hatte und dem Gespräche ohne eine Miene zu verziehen gefolgt war, »Sie bitte ich, sich nach Ablauf einer halben Stunde in meinem Arbeitszimmer einzufinden. Ich habe wegen der Kirchenordnung, der Geschäftseinteilung, des Unterrichts und so weiter mit Ihnen zu sprechen.«

Harteck verneigte sich, der Dekan grüßte und ging aus dem Zimmer. Die beiden anderen Herren wollten sich ebenfalls entfernen.

»Sie haben einen schönen Hund, Herr Kooperator,« sagte da Fräulein Aurelie und zwang ihn dadurch zu bleiben, während der junge Mönch, dessen stummer Gruß von der Dame nicht erwidert wurde, schleunig seiner Wege ging.

»Es freut mich, wenn er Ihnen gefällt,« sagte Harteck mit einem Lächeln.

»Ja, er gefällt mir. Wie heißt er?«

»Cäsar.«

»Besitzen Sie ihn schon lange?«