Das Leben der beiden Freunde ging einstweilen seinen traurigen Gang. Wenn Joachim durch das Dorf schritt, begrüßte alles ihn ehrfurchtsvoll, denn jedermann wußte, welches schwere Kreuz auf den Schultern des jungen Priesters lastete und wie mutig und unverdrossen er sich den Pflichten der Seelsorge und der Pflege des kranken Amtsbruders widmete. Im Pfarrhof ging es sehr still zu. Fremde wurden nicht eingelassen, um die Ruhe des Kranken nicht zu stören; Joachim und die Wirtschafterin wagten kaum aufzutreten und sprachen mit gedämpfter Stimme; und Cäsar, der arme Cäsar mußte manchmal aus dem Hause entfernt werden, weil er oft ein ohrenzerreißendes Geheul anstimmte ... »Das bedeutet den Tod!« sagten die Leute, wenn sie den Hund heulen hörten, schlugen das Kreuz und beteten ein Vaterunser. Der Arzt, in einem nahegelegenen Dorfe ansässig, fand sich täglich im Pfarrhof ein; wenn Joachim ihn fragte, ob es denn noch nicht möglich wäre, den Freund von dem unglücklichen Ort fortzubringen, zuckte der Arzt die Achseln und antwortete: »Noch nicht, ... vielleicht später.«
»Aber Sie sollten sich schonen,« sagte er eines Tages zu dem jungen Priester. »Diese anstrengende Krankenpflege reibt Sie auf. Nehmen Sie doch eine Wärterin ins Haus.«
»O nein,« entgegnete Juchei. »Fürchten Sie nichts für mich. Ich werde aushalten bis zum letzten Augenblick. Meinem teuern Georg darf niemand als ich nahe kommen.«
»Sagen Sie mir aufrichtig,« fragte er den Arzt ein anderes Mal, »ist wirklich keine Hoffnung mehr, ihn zu retten?«
»Keine. Gegen die galoppierende Lungensucht, wenn sie mit solcher Heftigkeit auftritt, ist kein Kraut gewachsen.«
»Und können Sie auch seine Schmerzen nicht lindern? Es zerreißt mir das Herz, wenn ich ihn husten höre, ... ich meine immer, daß der Husten seine Brust zersprengen muß, ... er läßt ihn weder schlafen noch liegen. Er muß immer aufrecht sitzen im Bett und ringt mit dem Ersticken ... Wenn dieses Elend nicht bald ein Ende nimmt, werde ich noch den Verstand verlieren.«
»Fassen Sie Mut, ... es kann nicht mehr lang dauern. Und seine Schmerzen will ich nach besten Kräften zu mildern suchen. Freilich bedeuten die starken Mittel, die man den Kranken in solchen Fällen verabfolgt, eine Verkürzung des Lebens, ... aber sie erleichtern das Sterben.«
»Tun Sie, was erlaubt ist,« sagte Juchei und preßte die Hand an die Stirn, »wenn es nur sein Leiden verringert ...«
»Ist er sich selbst klar über seinen Zustand?« fragte der Arzt.