»Ich weiß es nicht, ... er spricht so wenig ...«

»Morgen komme ich wieder,« sagte der Arzt und drückte dem anderen teilnahmvoll die Hand. »Die Medikamente will ich Ihnen sofort herüberschicken ... Nur Mut, Herr Kooperator, und Ergebung. Wir alle müssen sterben, – früher oder später.«

Juchei kehrte in das Haus zurück. »Es erleichtert das Sterben ...« Also wirklich, wirklich ... Er mußte sich am Stiegengeländer festhalten, um nicht umzusinken. Selbst ihm, dem Priester, erschien in diesem Augenblick die Verheißung des ewigen Lebens ein armseliger Trost.

Langsamen Schrittes verfügte er sich zu dem Freunde. Von Kissen unterstützt und in wollene Decken gehüllt, saß dieser nahe am Ofen und starrte in das Feuer. Zu seinen Füßen kauerte, leise zitternd, sein Hund und schaute mit jenem, dem Tier eigenen tieftraurigen Blick den kranken Gebieter an. Das Sprechen verursachte dem unglücklichen Manne große Pein und er hatte sich angewöhnt, sich mit seinem Wärter fast nur noch durch Zeichen zu verständigen. Er wagte kaum sich zu rühren, aus Angst, den ewig grollenden Husten wachzurufen; wenn dieser nicht länger zu unterdrücken war, sagte er gewöhnlich: »Ach Juchei, der Husten!« Und er sprach diese Worte in einem so klagenden und furchtsamen Ton, daß es Joachim jedesmal kalt überlief. Sie litten viel, diese beiden. Es würde schwer zu entscheiden gewesen sein, wer mehr zu ertragen hatte: ob derjenige, der die Schmerzen empfand, oder der andere, der den Freund leiden sah, ohne ihm helfen zu können.

»Ein Brief für Dich ist da,« sagte Juchei, als er in das Krankenzimmer trat. »Soll ich ihn öffnen?«

Harteck nickte mit dem Kopfe.

»Er ist von Deiner Schwester,« fuhr Juchei, das Schreiben mit den Augen überfliegend, fort. »Sie fragt an, ob sie oder die Mutter zu Dir kommen sollen.«

»Beide mögen bleiben, wo sie sind,« versetzte Harteck.

»Sie sind sehr besorgt Deinetwegen.«

Der Kranke lächelte bitter und gleichgültig zugleich. »Schön von ihnen,« murmelte er.