»Wer weiß, wie bald schon ... Doch jetzt will ich zu schlafen versuchen.« Seine Gedanken schienen zu wandern ... »Was wird sie sagen, wenn sie von meinem Tod erfährt? ... Juchei, vielleicht können wir morgen reisen, ... bestelle einen Wagen. Ist alles zur Reise vorbereitet?«

»Alles.«

»Dann reisen wir morgen,« sagte Georg und sein Kopf sank auf das Kissen, das ihn stützte. »Morgen, Juchei.«

»Amen,« dachte dieser. –

Am Abend entstand im Pfarrhof ein sonderbarer Lärm. Türen flogen auf und zu, eilende Schritte ertönten, und leichenblassen Gesichtes stürzte die Wirtschafterin auf die Straße. Die Inwohner der nächsten Häuser traten vor die Tore, alle scharten sich um die Frau, fragten, forschten ...

»Schnell! Lauft's einer um den Doktor!« rief diese, »und Du, Meßner, läut' die Zügenglock' ... Der Herr Vikar liegt im Sterben.«

Die Leute, Männer, Frauen und Kinder waren es, fielen auf die Kniee und fingen laut zu beten an. Einige stürzten fort. Bald darauf erscholl leises Glockengeläute; im ganzen Dorfe ward es lebendig. Alle strömten dem Pfarrhof zu; dort knieten sie nieder und murmelten die Gebete für Sterbende. Dazwischen fuhren langgezogene, jämmerliche Töne ... Cäsar war es, der mit gesträubtem Fell und eingeklemmter Rute, die Schnauze zum Himmel erhoben, dies schauerliche Geheul anstimmte, als ob auch das Tier, die Todesqual des Herrn mitempfindend, Gott anflehen wollte, den Sterbenden zu erlösen ... Die Weiber und Kinder, selbst die Männer schauderte es.

Hinter den verhüllten Fenstern erglänzte Kerzenschein. »Jetzt gibt ihm sein Freund die Wegzehrung!« flüsterte eine alte Frau. »Er hat schon heut' nachmittag das hochwürdigste Gut aus der Kirche geholt, ... hat wohl gewußt, daß er's bald brauchen wird ...« Sie trocknete sich die Augen mit der Schürze ab und betete murmelnd weiter.

Nach einer Stunde kam der Arzt angefahren. Wie ein rettender Engel wurde er begrüßt. Er aber wehrte die Leute ab und trat eilenden Schrittes in das Haus. Draußen verharrte die Gemeinde im Gebet und in todesbanger Erwartung.

»Der arme Herr stirbt schwer!« sagte ein alter Mann. »Herr Jesus! Nimm ihn zu Dir!«