Nach Mitternacht entstand eine Bewegung. Niemand hatte sich entfernt, nur die Kinder waren nach Hause geschickt worden. Die Leute sahen den Arzt, gefolgt von der schluchzenden Wirtschafterin, aus dem Hause kommen und hielten im Beten inne.
»Geht nach Hause, Ihr Leute,« sagte der Arzt und bestieg seinen Wagen. »Der Herr Vikar hat es überstanden ... Vorwärts, Hansei.«
Der Wagen rasselte mit Windeseile davon. Die Leute erhoben sich von den Knieen und sahen zum Pfarrhof empor.
»Wer wird Nachtwach' halten bei ihm? Wo ist die Leichenfrau?« fragten einige.
»Geht's alle miteinander z'Haus,« sagte die Wirtschafterin. »Der Herr Kopp'ratter hat mir g'sagt, daß er niemanden haben will, ... er wird selber bei sei'm Freund bleiben.«
»Heilige Mutter Anna! Haben die zwoa sich gern g'habt!« bemerkte eine alte Bäuerin.
»Und so schnell hat's kimma müssen! So oan braver Herr!«
»Ich hab's gleich g'wußt,« sagte die Wirtschafterin, sich zum Gehen wendend. »Bei uns halt's koaner lang aus. Und heut' noch hat er davon g'sprochen, daß er morgen furtfahren will, ... der arme Herr!«
Und doch hatte er recht behalten. Er hatte eine Reise angetreten, wenn auch nach einem andern Ort, als er im Sinne gehabt. Er war nach einem Ort gegangen, wo es für ihn wohl besser sein war als überall sonst.