Von tiefstem Unbehagen erfaßt stand Anna da. Ja, der hatte sich keinen Vorwurf zu machen; in dessen Brust erweckte der Anblick des Toten nur lichte, erhebende Erinnerungen; der durfte ihm nahen und ihn berühren sonder Scheu noch Selbstanklage. Er hatte ihn nie gekränkt, ihm nie weh getan, war ihm im Leben und im Sterben treu zur Seite gestanden ... Mit einem furchtsamen Blick streifte Anna die rührende Gruppe, nahm den Knaben bei der Hand und ging aus dem Zimmer.
Perkow folgte ihr nach einer Weile.
»Erzählen Sie mir von ihm,« sagte Anna, setzte sich und zog den Kleinen an ihre Seite.
Joachim machte eine ablehnende Bewegung.
»Jetzt nicht,« erwiderte er. »Ich kann wirklich nicht. Vielleicht später einmal, ... bis ich ruhiger geworden bin.«
»Wie Sie wollen. Lassen Sie uns von anderem sprechen. Was soll mit Georgs Sachen geschehen? Hat er sich diesbezüglich geäußert?«
»Ja. Ein Testament hat er zwar nicht gemacht: es wäre auch kaum der Mühe wert gewesen ... Seine Bücher und Möbel dachte er mir zu, ... als Erinnerung an ihn.«
Anna sah den Sprecher forschend und mißtrauisch zugleich an. Wenigstens kam es ihm so vor. Er schaute ihr mit durchbohrendem Blick in die kalten, hellen Augen.
»Glauben Sie mir etwa nicht?«
»Was fällt Ihnen ein? Wie sollte ich nicht, ... sobald Sie es sagen. Übrigens haben Sie sich diese bescheidene Erbschaft redlich verdient ... Hat er Geld hinterlassen?«