»Geld?« sprach Juchei mit bitterem Lachen nach. »Sie scheinen nicht zu wissen, daß seine Einnahme eine sehr karge war ... Das wenige, was er besaß, ist für die Herbeischaffung des notwendigsten Hausrates aufgegangen. Wir mußten sogar sein Klavier verkaufen, um die Kosten der Krankheit zu decken, ... und der Rest von diesem Verkaufe muß auf die Bestattung und den Grabstein verwendet werden. Was er sonst hinterläßt, wie seine Wäsche und Kleider und die Kücheneinrichtung, steht zu Ihrer Verfügung. Wie gräßlich ist es doch, von alledem sprechen zu müssen,« schloß er und kehrte sich angewidert von ihr ab.
»Wir sind ja schon fertig,« sagte Anna und stand auf. »Kann ich hier im Dorf Unterkunft für die Nacht finden?«
»Im Gasthof sind noch ein oder zwei Zimmer frei. Dort können Sie übernachten.«
»Und das Begräbnis ist ... um wieviel Uhr?«
»Um acht Uhr.«
»Ich will Sie denn nicht länger stören. Sie bedürfen der Ruhe.«
»Der Einsamkeit vor allem,« dachte Juchei.
»Bitte, bemühen Sie sich nicht,« sagte Anna. Er aber begleitete sie bis an die Tür und öffnete dieselbe. Anna verbeugte sich, der kleine Knabe grüßte höflich, und damit gingen sie.
Joachim schüttelte sich und seine Züge überflog ein Ausdruck, der halb Erstaunen, halb Widerwillen war. Daß ein solcher Bruder diese Schwester haben konnte! Aber er wollte nicht nachdenken über sie; die hohle Puppe war es nicht wert.
In der Ruhelosigkeit, die ihn seit Georgs Tode quälte, beschloß er, teils um irgend etwas zu tun, teils um mit Anna nichts weiter besprechen zu müssen, die Hinterlassenschaft des Freundes zu ordnen und zu verpacken. Die Haushälterin war ihm dabei behilflich; mit trübem Blick betrachtete er, als sie fertig waren, die Kisten und verpackten Möbel und die unwohnliche Stube. Wie kahl es hier aussah, wie traurig!