»Cäsar! Cäsar!« rief Juchei erschüttert, kniete bei ihm nieder und drückte seinen großen Kopf an die Brust. Der Hund schaute ihn mit blutunterlaufenen Augen an und knurrte zornig ...
»Ich kann Dir Deinen Herrn nicht wiedergeben,« sagte Juchei. »O! Wenn ich's könnte! ...« Er preßte die Hände an die Augen. Wie diese Räume ihn an alles mahnten! War es denn möglich, war es denn wirklich, unwiderruflich wahr?
Eine Magd rief ihn zum Abendessen. Er schloß den Hund in die Stube ein, verfügte sich in das Speisezimmer und setzte sich auf den Platz, den Georg sonst eingenommen. Mechanisch aß und trank er, beantwortete mechanisch die Fragen, die die Tischgesellschaft an ihn richtete, und wunderte sich nur über eines: daß alle Welt ihm sein Betragen gegen den toten Freund so hoch anrechnete, ihn darum belobte ... Was hatte er denn so Besonderes getan? Er hatte den Toten geliebt: verstanden die Menschen denn nicht, was das hieß?
Die Mahlzeit war kaum vorüber, als Juchei sich unter dem Vorwand großer Ermüdung erhob und zurückzog. Er ging jedoch bloß in seine Wohnung, um Cäsar zu holen und verließ dann mit dem Hunde das Haus. Die Leute im Dorfe schliefen bereits, und ohne daß jemand ihn sah, erreichte Joachim das Ziel seiner kurzen Wanderung, ... das Haus des Arztes. Er klingelte und fragte die ihm öffnende Dienstmagd, ob ihr Herr noch zu sprechen wäre. Sie bejahte die Frage, leuchtete ihm über die Treppe hinauf und bat ihn, einzutreten. Er klopfte an und trat in das Zimmer.
Die Familie hatte soeben das Abendbrot eingenommen. Der Arzt saß am Tische und rauchte, Paula ihm gegenüber, mit verschränkten Armen vor sich hinstarrend, und Toni stand neben ihr. Als sie den Geistlichen und Cäsar eintreten sahen, erhob sich der Arzt und warf einen raschen Blick auf seine Tochter. Paula wollte sich erheben, vermochte es aber nicht. Sie sank auf den Stuhl zurück und schlug die Hände vors Gesicht. Schweigend standen der Arzt und Perkow da und schauten auf das junge Mädchen. Keiner war imstande, zu sprechen. Nur Toni näherte sich dem Hunde und streichelte ihn.
»Cäsar! Armer Cäsar!«
Das Tier schien sie nicht zu erkennen. Es zog den Schwanz ein und zeigte dem Kinde die Zähne.
»Cäsar, was hast Du? Ich bin es ja,« sagte Toni furchtlos und zärtlich. Der Arzt faßte sie am Arm und führte sie aus dem Zimmer.
»Der Hund ist krank; geh Du schlafen,« sagte er, kehrte dann zu den anderen zurück und bot dem Gast einen Stuhl an. Juchei setzte sich; der Arzt blieb stehen.
»Verzeihen Sie mein Eindrängen,« sagte Juchei endlich. »Es soll nicht wieder geschehen. Aber dieses eine Mal mußte es sein ... Ich bin gekommen, um Ihnen die letzten Grüße meines Freundes zu überbringen.«