»Ach! Damit hat es noch seine guten Wege,« antwortete der Lehrer seufzend. »Es ist seltsam: ich, der ich das Herz auf der Zunge trage und jedem Fremden von meiner Liebe erzählen möchte, – ihr gegenüber sinkt mir aller Mut und ich habe noch nicht gewagt, ihr zu sagen, daß ich sie liebe. Sie ist ein eigentümliches Wesen. Manchmal kommt mir vor, als ob sie überhaupt kein Herz habe.«

»Kein Herz für Sie, meinen Sie wohl?«

»Für mich und die Männer im allgemeinen. Sie hat schon zwei sehr annehmbare Freier verworfen. Vielleicht wird es mir ebenso ergehen.«

Der Priester hütete sich, das Vertrauen des jungen Mannes mit gleichem Vertrauen zu erwidern. Der Lehrer lebte mit dem Dekan auf dem Kriegsfuß und konnte aus diesem Grunde niemals Hartecks Freund werden. Nun, diese heilige Stelle nahm schon allein und unbestritten ein anderer, Ferner, ein; aber vielleicht würde Harteck sich näher an den Lehrer angeschlossen haben: doch so, wie die Dinge standen, ließ er nicht einmal den Wunsch nach einem vertrauteren Verkehr in sich aufkommen, suchte den Lehrer außerhalb der Schule niemals auf und überging dessen Vorschlag, manchmal den Abend in seiner Gesellschaft in einem Gasthause zuzubringen, mit Stillschweigen. Der Dekan verübelte ihm ohnedies, daß er überhaupt mit dem Lehrer sprach, und der junge Pater teilte die Ansicht des gnädigen Herrn.

»Sie werden in eine schiefe Stellung geraten,« sagte der Mönch einmal zu Harteck. »Bei den jetzigen Verhältnissen gibt es keinen Mittelweg. Sie müssen entweder zu uns oder zu den Feinden des Herrn Dekans halten, und die Wahl kann Ihnen doch unmöglich schwer fallen.«

»Hat der Herr Dekan Sie beauftragt, mir das zu sagen?« fragte Harteck ärgerlichen Tones.

»Darauf muß ich Ihnen die Antwort schuldig bleiben. Verhehlen will ich Ihnen indessen nicht, daß Ihr Benehmen dem Herrn Dekan nicht sonderlich behagt.«

»Weshalb nicht? Was tue ich Unrechtes?«

»Können Sie leugnen, daß Sie einen Umgang mit seinen Feinden anzubahnen suchen?«

»Das leugne ich allerdings. Soll ich den Leuten keine Antwort geben, sobald sie mich ansprechen? Übrigens existieren diese Feindschaften nur in der Einbildung des Herrn Dekans.«