»Eine Frau war hier mit ihrem Kinde. Paula hat ihr einiges zu tun verordnet. Wird der Scharlach werden, meint Paula.«
»Das ist böse. Schon der dritte Fall in einer Woche! Da heißt es vorsichtig sein.«
»Wird am Ende gar die Schule geschlossen werden müssen?« fragte Toni.
»Wahrscheinlich; doch vorläufig will ich mich umkleiden.«
Die Zimmer im Erdgeschoß waren für das Laboratorium, die Apotheke, die Arbeitsstube des Arztes, die Küche, die Vorratskammer und das Dienstbotenzimmer eingerichtet. Das erste Stockwerk umfaßte vier Zimmer, wovon eines als Speise- und Wohnzimmer und zwei zu Schlafstuben verwendet wurden; das letzte gehörte Paula zu alleinigem Gebrauch. Doch gerade da hielt Toni sich am liebsten auf; im Zimmer der Schwester machte die Kleine ihre Schulaufgaben, übte auf der Zither, strickte oder spielte – und das alles konnte nur in Paulas Gesellschaft geschehen; hatte sie doch die große Schwester jeden Augenblick um Rat zu fragen. Unter Paulas Anleitung arbeitete es sich so leicht und gut ... und Paula wollte es so haben. Ihr fehlte immer etwas, wenn sie das Schwesterchen nicht an der Seite hatte.
Der Arzt hatte den Regenmantel ausgezogen und an einen Nagel gehängt, Toni schüttelte geschäftig das Wasser vom Regenschirm und stellte ihn in eine Ecke, und hierauf schritt der Arzt, das Töchterchen an der Hand, die Treppe hinan.
Im Stiegengang schon trat ihnen ein schlank gewachsenes junges Mädchen entgegen. Sie hängte sich an den Arm des Arztes und führte den Vater in das Wohnzimmer.
»Bist Du recht ermüdet und ausgekältet?« fragte sie. Ihre Stimme hatte einen wohltönenden und weichen Klang.
»Es geht.« Er ließ sich auf den Divan nieder, der an der Hauptwand stand. Paula setzte sich neben ihn und erstattete ihm ausführlichen Bericht über das kranke Kind.
»Ich werde nach dem Abendessen hinübergehen zu der Frau und mir das Kind ansehen,« sagte der Arzt. »Können wir bald essen?«