Mißvergnügt über die Stimmung, die in dem Volke Platz gegriffen hatte, schlenderte der junge Schullehrer der Kirche zu. Seit einigen Wochen fühlte er, daß seine mühsam errungene Popularität in bedenklicher Weise abnahm. Er war ein »Liberaler«, hatte einiges dazu beigetragen, um die Kluft zwischen den Bauern und dem Dekan zu erweitern, und das nahmen ihm die Leute jetzt übel; besonders die Frauen. »Mit diesem Volk ist nichts anzufangen,« dachte er verdrießlich. »Immer kehren sie auf halbem Wege wieder um. Die Furcht vor der Hölle bannt sie stets aufs neue in den Zauberkreis von Rom. Da ist nichts zu machen.«
Sein Gesicht hellte sich plötzlich auf, denn er sah die kleine Toni, festlich gekleidet, ihr Gebetbüchlein in der Hand, des Weges einherkommen.
»Guten Morgen, Toni,« sagte er und küßte sie trotz ihrem Widerstreben. »Wie geht es Dir? Bist Du schlechter Laune?«
»Nein,« antwortete das Kind. »Aber ich mag das Küssen nicht leiden.«
Toni wußte, daß der Lehrer um ihre Gunst buhlte, und das machte sie verwegen. Er ließ sich ja doch alles gefallen, ... ihn durfte sie ganz ohne Zeremonie behandeln.
»Wo bleibt Deine Schwester?« fuhr er fort.
»Sie wird später kommen. Jetzt hat sie im Hause zu tun.«
»Und Du? Willst Du die ganze Predigt anhören?«
»Ja. Sie nicht?«
»Nein, mein Kind. Ich gehe lieber ein wenig spazieren. Komm mit mir und laß die Predigt Predigt sein.«