»Ich bin überzeugt, daß dies nicht der Fall ist,« entgegnete er besänftigend. »Lassen Sie keine Mißstimmung – und wäre es auch nur eine momentane und geringfügige – zwischen uns eintreten, Fräulein Paula. Ich komme sehr gern hierher, hier fühle ich mich wohl und wie zu Hause, ich habe Toni sehr lieb und – auch Sie,« sagte er mit einigem Zögern. »Sie sind die einzigen Menschen im Dorfe, an deren Umgang mir gelegen ist: lassen Sie mir daher die Freude zu glauben, daß auch Sie mir freundlich gesinnt seien ... Ich werde darum noch immer nicht anmaßend werden.«
»Ich habe auch nicht gesagt,« begann Paula, stockte jedoch und blickte nach der Tür. Der Arzt trat ein. Unwillkürlich, ohne etwas dabei zu denken, entfernte sich Harteck einige Schritte weit von Paula; der Arzt begrüßte ihn mit der ihm eigenen Zurückhaltung, reichte Paula, die ihm entgegenging, die Hand und streichelte Tonis Haar. Er und der Priester kannten einander wenig. Um die Stunde, wo Harteck in das Haus kam, war der Arzt meistens in Geschäften abwesend, und außerhalb des Hauses suchte einer den anderen nicht auf.
»Toni muß zu Bett,« sagte der Arzt auf die Uhr blickend. »Es ist schon spät.«
Harteck nahm diese Worte für einen Wink, daß er gehen sollte; er wechselte noch ein paar Reden mit dem Arzte und verabschiedete sich dann. Herr Reinberg begleitete ihn bis an das Tor und kehrte darauf gedankenvollen Antlitzes zu den beiden Mädchen zurück.
Achtes Kapitel
Toni schlief. Wie allabendlich saßen Vater und Tochter, einander gegenüber, am Speisetische, der Arzt mit einem Buche, Paula mit einer Handarbeit beschäftigt. Sie hatten zu Nacht gegessen und wenig dabei geredet; jetzt schwiegen beide. Endlich legte der Vater das Buch auf den Tisch und stand auf.
»Heute habe ich mit dem Schullehrer gesprochen,« sagte er. »Die Schule kann Montag wieder eröffnet werden.«
»Und Toni?« fragte Paula.
»Sie ist gesund und mag getrost in die Schule gehen. Es sind nun schon zwei Monate her, daß sie erkrankte. Da sie jetzt glücklicherweise wiederhergestellt ist, wäre es an der Zeit, ihren Religionslehrer der Aufgabe, sie zu besuchen, zu entheben. Sie kann ihn künftighin in der Schule sehen und sprechen.«
Paula blickte von ihrer Arbeit auf. Der Arzt sah das Mädchen an und senkte dann die Augen.