»Ich weiß und glaube, daß er die Kleine lieb hat und bloß ihretwegen in unser Haus kommt,« sagte er in seinem sanftesten Tone. »Aber die Besuche müssen wieder ein Ende nehmen. Das Kind ist gesund. Wir haben nunmehr kein Recht, über die Zeit des Herrn Kooperators zu verfügen.«

»Hat wieder jemand auch darüber geschwatzt?« fragte Paula und ihre Lippen zuckten verächtlich.

»Die Leute im Pfarrhof halten sich darüber auf. Du weißt doch, daß der Dekan und ich einander kaum grüßen, ... deshalb mag er es wohl nicht gern sehen, wenn sein Kollege in unser Haus kommt.«

»Von wem hast Du das gehört?«

»Von verschiedenen Personen.«

»Und Du willst, daß ich dem Kooperator sagen soll: Wir brauchen Sie jetzt nicht mehr. Sie können Ihrer Wege gehen und vergessen, daß wir hier wohnen? Gut.« Sie beugte sich über ihre Arbeit und begann mit großer Hast zu nähen. Selten noch hatte sie so herbe gesprochen ... Der Arzt blickte das junge Mädchen staunend an.

»Ich habe mich schlecht ausgedrückt oder Du verstehst mich absichtlich falsch,« versetzte er. »Es fällt mir nicht ein, irgendeinen Vorwurf gegen Dich oder den Geistlichen zu erheben. Meines kranken Kindes wegen, auf unsere Bitte hin, kam er in unser Haus und wir sind ihm dankbar dafür; aber die Verpflichtung, uns mit ihm zu befreunden, erwächst uns nicht daraus.«

Paula blieb stumm auf diese Worte. Endlich sprach sie, ohne aufzusehen: »Er kommt sehr gern zu uns. Er selbst hat es mir gesagt.«

»Umso mehr Grund, mit ihm zu brechen, mein Kind. Sieh, Paula, als ich vorhin nach Hause kam, schaute ich von der Straße aus zufällig zu Deinem Fenster empor. Du und der Geistliche, Ihr standet nahe beisammen, Du blicktest zu Boden und er auf Dich, – wie eben ein Mann ein junges Mädchen, das ihm gefällt, anzublicken pflegt ...«

»Er hat nie ein Wort zu mir gesagt, das nicht jedermann hätte hören dürfen,« fiel Paula ein. Ihre Finger zitterten, sie legte die Arbeit in den Schoß.