»Das glaube ich gern, weil ich Dich kenne. Aber sei gerecht, Paula. Würde die Welt an einen Freundschaftsbund zwischen einem jungen Mädchen und einem dreißigjährigen Priester glauben?«
»Was liegt an der Welt! Wenn nur ich selbst daran glaube.«
Der Arzt ging, die gefalteten Hände auf dem Rücken, in der Stube auf und ab.
»Daß wir uns über diesen Punkt nicht einigen können!« bemerkte er endlich.
»Wir sind einig,« entgegnete Paula. »Ich werde Deinem Wunsche nachkommen. Mehr verlangst Du wohl nicht.« Sie stand auf. »Aber um eines möchte ich Dich bitten: sag Du ihm, was Du ihm sagen willst, daß er nicht wiederkommen soll oder was es sonst ist ... Gute Nacht.«
Der Vater ging auf sie zu und hielt sie zurück.
»Sollten wir zum erstenmal voneinander gehen, ohne uns verstanden zu haben?« fragte er und zog sie an sich. Sie küßte flüchtig seine Wange und wich seinem Blicke aus. Er ließ sie fahren.
»Gute Nacht, mein Kind,« sagte er. »Du bist heute aufgeregt. Verschlafe diese Angelegenheit und ich bin überzeugt, daß Du morgen anders darüber denken wirst.«
Schweigend entfernte sie sich. Er hatte sie niemals noch so gesehen, – so eigensinnig, heftig und herbe. Hatte er sie beleidigt? Zum erstenmal war eine Meinungsverschiedenheit eines Fremden halber zwischen ihnen eingetreten. Der Arzt hatte die Tochter nicht kränken, sondern sie bloß aufmerksam machen wollen darauf, daß der Verkehr mit dem jungen Priester nicht ewig fortgesetzt werden könnte; auf Widerstand war er durchaus nicht gefaßt gewesen. Paula fühlte sich offenbar verletzt. Gewissermaßen hatte er ihr doch Vorwürfe gemacht, und das mochte sie, die sich schuldlos wußte, beleidigt haben. Daß aber zwischen zwei Menschen, die einander innig lieben, so leicht ein Mißton entstehen könne, war dem Arzt doch nicht recht begreiflich. »Empfindlich sind wir alle,« dachte er, und damit suchte er sich zu trösten.
Am nächsten Tage war davon nicht weiter die Rede. Der Arzt fragte nur: »Wird der Kooperator heute kommen?«