»O blutjung! Und so schüchtern! In einem fort wird er rot, und völlig net anz'schauen traut er sich die Weibsleut' ...« Sie lachte in sich hinein. »Aber a guader[1] Mensch is er, oa herzensguader ... Ich mag ihn schon leiden. Brauchen Hochwürden noch was oder kann ich gehen?« fragte sie abbrechend.

Nur noch eine Schüssel für den Hund, damit er ihn trinken lassen könne. Sie brachte auch die Schüssel.

»Wann's 'gessen haben, gangen's[2] nur ruhig schlafen,« sagte sie. »Ich werd' schon nachher kimma und die Sachen da hinaustragen. Jetzt wünsch' ich guaden Appetit und oa guade Nacht.«

»Noch einen Augenblick, mein Kind,« sagte der Priester, sie zurückhaltend. »Wie heißen Sie denn?«

»Uschei[3], Hochwürden,« antwortete sie mit einem Knicks.

»Also, Uschei,« sprach er weiter, »hören Sie mich. Morgen mit dem Frühzug wird mein Gepäck ankommen. Tragen Sie Sorge dafür, daß es mir sogleich ins Haus geschafft werde, denn ich möchte mich sobald wie möglich heimisch hier fühlen, und ohne meine Bücher und mein Klavier geht es nicht.«

»Ja, ich werd's den Knechten sagen. Gnade Ruh', Hochwürden.«

»Noa! unser neuer Herr Kop'ratter is oa liaber Mensch!« sagte sie unten in der Gesindestube. »So freundlich und fein, und Klavierspiel'n tuat er a ... Da wird's dächt'[4] a bissel lustiger bei ins[5] werden.«


Während diese kleine Szene im zweiten Stockwerk des Pfarrhofes sich abspielte, saß der Dekan von St. Jakob im Arbeitszimmer vor dem großen Pulte und beschäftigte sich mit dem Lesen von Briefen. Drei Briefe waren es, die er langsam nacheinander entfaltete, aufmerksam studierte und dann wieder zusammenlegte. Er hatte die Briefe erst kürzlich erhalten und ihr Inhalt mußte für ihn von hohem Interesse sein: denn kaum daß er sie zu Ende gelesen hatte, nahm er abermals den ersten zur Hand und begann ihn neuerdings zu lesen. Er war von einer zitternden Greisenhand geschrieben und enthielt Folgendes: