»Weshalb? Ich bin daran gewöhnt.«

Paula blickte wieder zur Erde. »Sind Sie schwach auf der Brust?« fragte sie.

»Aus Ihnen spricht die Tochter des Arztes,« entgegnete er lachend. »Ich habe allerdings empfindliche Lungen. Das ist ein Erbteil meines Vaters.«

»Ist Ihr Vater schon lange tot?«

»Seit zwanzig Jahren.«

»War er ein guter Mann? Hatten Sie ihn lieb?«

»Ich glaube, daß er ein gutmütiger Mensch war, ... wenigstens ließ er jedermann seinen eigenen Weg wandeln.«

»Das ist viel ... Wenige Eltern können sich entschließen, ihren Kindern volle Freiheit zu gewähren, und wenn ich etwas verabscheue, dann ist es jede Art von Tyrannei. Hier, in unserem Dorfe, begegnet man ihr häufig ... Eltern zwingen ihre Töchter zu einer ihnen passend scheinenden Ehe und ziehen dabei das Glück der Kinder nicht im entferntesten in Betracht, ... das ist Nebensache. Wenn nur der Bräutigam die nötigen Äcker und Wiesen besitzt! ... Das ist doch ein Verbrechen, ... oder nicht?«

»Mindestens ist es eine Vermessenheit, das Schicksal anderer spielen zu wollen. Wie aber denken Sie von den Menschen, die solchem Zwange gehorchen? Die gelten in Ihren Augen wohl für Feiglinge?« – Er hatte ganz ruhig gesprochen, ... dennoch fühlte Paula, daß diese Frage nicht allgemein, daß sie persönlich gemeint war.

»Das kommt auf die Umstände an,« erwiderte sie langsam und stand auf. »Mir ist kalt. Ich will mit Toni nach Hause gehen.«