»Was wirst Du in dieser Angelegenheit tun, Onkel?« fragte sie scheinbar gleichgültig.
»Das weiß ich noch nicht.« Er ging zur Tür hin und öffnete sie. »Heda! Uschei!« rief er laut.
»Was gibt's?« scholl es von unten herauf.
»Ist der Pater zu Hause?«
»Ja.«
»Ich lasse ihn bitten, zu mir zu kommen.«
Er schloß die Tür und kehrte zu seiner Nichte zurück.
Eine Minute später trat nach schüchternem Anklopfen der junge Mönch ein. Er schien von der Anwesenheit des Fräuleins nicht sonderlich entzückt, indessen faßte er sich schnell und fragte, was dem gnädigen Herrn zu Diensten stehe.
»Das sollen Sie sogleich erfahren.« Der Dekan stellte sich, die Hände auf dem Rücken gefaltet, vor den Mönch hin und fixierte ihn mit scharfen Blicken. »Ich glaube, daß Sie mir aufrichtig ergeben sind.« (Der Pater verneigte sich stumm.) »Oft schon habe ich mit Ihnen über den Kooperator Harteck gesprochen und Sie wissen, daß ich sehr unzufrieden mit ihm bin. Alles an ihm ist Grimasse. Er trägt das geistliche Kleid, aber seine Gedanken weilen draußen bei der Welt und ihren Verlockungen, bei den Weibern.« (Aurelie räusperte sich, der Mönch schlug die Augen nieder.) »Ein schöner Mithelfer ist mir da gegeben worden!« fuhr der Dekan fort. »Ebenso gut hätte man mir einen Holzklotz schicken können, ... der würde mir dieselben Dienste leisten. Seine scheinbare Unterwürfigkeit täuscht mich nicht. Ich weiß ja doch, daß er mir im geheimen widerspricht und alles, was ich tue, anders machen möchte ... O! ich kenne diesen Herrn. Keiner seiner Pfarrherren mochte ihn leiden, alle waren froh, ihn los zu werden. Leute, die uns kritisieren und nicht unbedingt für uns sind, die bloß aus Zwang gehorchen, taugen nicht für uns. Wir brauchen tätige Menschen, die, aus welchem Grunde immer, für unsere Sache ins Feuer gehen würden, ... nicht aber so teilnahmlose Lappen. Meine Geduld ist erschöpft. Ich habe diesen Herrn satt bekommen. Priester seines Schlages müssen unschädlich gemacht werden, müssen im Dunkel verschwinden. Wie man mir schreibt, liegt der Herr Vikar von Keßten hoffnungslos krank danieder. Das Vikariat in Keßten ist armselig und, so zu sagen, außerhalb der Welt gelegen ... Dort wäre Herr Harteck an seinem Platze. Der Sprengel ist klein und wird von lauter armen, stumpfsinnigen Bauern bewohnt ... Die Geistlichen, die dorthin versetzt werden, versumpfen mit der Zeit. Ich werde dieser Tage nach Salzburg reisen und dort den Vorschlag machen, Herrn Harteck nach Keßten zu schicken, falls der Vikar sterben sollte. Man versetzt solche Priester an einen der Welt entrückten Ort und dann mag sie der Kuckuck holen. Ihre Laufbahn ist damit zu Ende und sie mögen zusehen, wie sie mit dem Leben fertig werden. – Was sagen Sie zu meinem Plane?«
»Ich kann ihn nur gutheißen,« antwortete der Mönch.