Der neu angekommene Priester war am nächsten Morgen schon frühzeitig außer Bett. Von seinem Hunde begleitet, begab er sich in den Garten und besichtigte diesen. Der Garten war ziemlich groß, hatte alte, laubreiche Bäume und gut gehaltene Blumenbeete. Hinter den Bergen, die, eine grandiose Kette, empor zum Himmel strebten, ging eben leuchtend die Sonne auf. In den Blumenkelchen und auf den Halmen glitzerten Tautropfen; die Luft war klar und scharf, – eine echte Gebirgsluft. Der junge Priester entblößte das Haupt und ließ die würzige Luft mit seinen Haaren spielen. Langsam, mit gesenktem Kopfe, wandelte er die Kieswege auf und ab und dachte an allerhand: was der Tag bringen, wie sein neues Leben sich gestalten würde? Da hörte er Schritte hinter sich; er stand still, wendete sich um und sah einen jungen Mann in brauner Kutte auf sich zuschreiten.
»Guten Morgen!« rief dieser ihm entgegen und nahm sein Käppchen ab, so daß sein kurz geschorenes Haar sichtbar wurde. »Schon so früh auf? Sie sind kein Langschläfer.«
Der junge Mönch hatte ein rundes, beinahe kindliches, gut gefärbtes Gesicht, aus dem zwei unschuldige braune Augen ernst und harmlos in die Welt schauten. Um die Lenden trug er einen Strick, an dem ein Rosenkranz hing, und seine Füße staken in Sandalen.
Der Priester erwiderte seinen Gruß und stellte sich ihm vor: »Mein Name ist Harteck. Ich freue mich herzlich, Sie kennen zu lernen.«
»Mich heißt man den Pater Benediktus. Seien Sie mir viele Male willkommen, Herr Kooperator.«
Sie schüttelten einander die Hände.
»Ich würde gestern gern auf Ihr Zimmer gekommen sein, um Sie zu begrüßen,« sprach Benediktus weiter. »Aber, als Sie eintrafen, hatte ich gerade im Spital zu tun und später fürchtete ich, Sie zu stören.«
»Sie würden mich keineswegs gestört haben, – im Gegenteil!«
Eine kurze Pause trat ein. Der Pater sah ein Blumenbeet an und Harteck betrachtete den Mönch.
»Wollen wir nicht ein wenig auf und ab gehen?« fragte der Geistliche sodann. Der Pater war damit einverstanden.