»Wie lange sind Sie schon hier?« lautete die nächste Frage des Priesters.
»Seit einem Jahre.«
»Es gibt hier viel zu tun, wie ich gehört habe?«
»Sehr viel. Das Dorf ist groß und alle umliegenden Ortschaften, ja sogar das Nachbarstädtchen zählen zu unserem Sprengel. Der Herr Dekan bekommt in einem fort Besuche, Gesuche und Briefe und hat zur Seelsorge wenig Zeit.«
»Was für ein Mensch ist der Dekan?«
»Hm, ... er ist ein sehr eifriger und tätiger Mann. Nur beschäftigt er sich zu viel mit Politik. Er hat vor kurzem für den Landtag kandidiert und ist unbegreiflicherweise nicht gewählt worden. Seitdem ist er stets leidlich verstimmt.«
»Ich habe von seiner Niederlage gehört und mich darüber gewundert. Ist man denn hier im Ort und in der Umgebung so liberal gesinnt?«
»Es scheint so. Die Herren in der Nachbarstadt haben den Ausschlag gegeben; die wollten durchaus einen Advokaten durchbringen und haben es auch durchgesetzt. Unsere Bauern sind ebenfalls aufgehetzt worden.«
»Von wem?«
»Nun, von den Liberalen im Orte, ... dem Schullehrer, dem Arzte, den drei Herren von der Eisenbahn und den paar Krämern, die sich der Himmel weiß wie weise dünken, wenn sie einem geistlichen Herrn Opposition machen. Viele bleiben auch jetzt der Kirche fern, wenn der Herr Dekan predigt; daß er nicht immer zum Sanftesten spricht, ist ihm wohl nicht zu verübeln.«