Darauf sagte der Priester nichts.
»Wie steht es mit der Schule?« fragte er sodann.
»Hm, ... könnte besser sein. Es gibt eben fortwährend Reibereien. Der Schullehrer ist ein Liberaler und möchte am liebsten, daß die Kinder gar keinen Religionsunterricht genössen, und die Glaubenslehre soll und muß doch der Hauptgegenstand sein. Der Herr Dekan, seinerseits, ist wieder mit der Unterrichtsmethode des Lehrers nicht zufrieden ... Er überbürde die Kinder, meint er, und mache es den älteren Knaben und Mädchen vor lauter Lernen unmöglich, ihren Eltern bei den Haus- und Feldarbeiten zu helfen. Wir brauchen, meint der Herr Dekan, tüchtige Bauern und Bäuerinnen, aber keine Gelehrten.«
Auch dieser Rede stimmte Harteck weder bei, noch widersprach er ihr.
»Sind die Leute fromm?« fragte er.
»Wie man es nimmt. Die Weiber gehen noch an, ... die Männer jedoch, besonders die Burschen, sitzen lieber im Wirtshaus als in der Kirche. Das macht das böse Beispiel. Seit jener verunglückten Kandidatur herrscht zwischen dem gnädigen Herrn und den Bauern eine gewisse Spannung. Der Herr Dekan zeigt ihnen unverhohlen, daß er unzufrieden mit ihnen ist, und sie gehen ihm, so viel sie können, aus dem Wege. Hoffentlich wird es mit der Zeit anders werden.«
»Auf welche Weise bringt man hier die freien Stunden zu? Mit wem kann man verkehren?«
»Sie meinen, mit wem wir verkehren können? Jetzt mit niemandem. Der Herr Dekan hat jeden Umgang abgebrochen. Manchmal jedoch kommen geistliche Herren aus den Nachbardörfern zum Besuche, ... die kegeln oder spielen Tarock mit dem gnädigen Herrn, und daran können auch Sie sich beteiligen, wenn Sie Lust dazu haben.«
»Mit den Bauern kann man jetzt ebenfalls nicht verkehren? Ich möchte die Leute doch kennen lernen.«
»Sie können das halten, wie Sie wollen. Ob der Herr Dekan es gern sehen würde, kann ich freilich nicht sagen.«