Das Kind tat, was von ihm begehrt wurde. Nach ungefähr zehn Minuten wendete es den Kopf: »Jetzt kommt der Onkel.«

»Wir wollen ihm entgegen gehen,« sagte seine Mutter. »Schnell, Albert!«

Die Matrone blieb allein zurück. Sie eilte dem Sohne nicht entgegen, ... er sollte nicht wissen, nicht sehen, wie erschüttert sie war. »Gott im Himmel! Du wirst es mir nicht zur Sünde anrechnen, daß ich ihn noch immer liebe,« dachte sie. »Sein Schuldregister, Herr! ist groß, ich weiß es. Aber es ist doch mein Sohn. Und er wird sich bessern, er wird sich bessern ...« Ihre Hände zitterten, ihre Lippen bewegten sich leise; unverwandt hafteten ihre Blicke an der Tür. Die ging bald auf: hereintrat die junge Frau mit Albert und ihnen folgte ein schlanker Mann im Kleide eines katholischen Priesters. Mit einiger Anstrengung erhob sich die alte Frau, der Ankömmling eilte auf sie zu und Georg Harteck und seine Mutter lagen einander in den Armen.

»Gott zum Gruße, liebe Mutter,« sagte er und küßte sie auf beide Wangen. »Wie geht es Dir?«

»Gut, dem Herrn sei Dank.« Sie hielt ihn noch immer in den Armen und betrachtete ihn aufmerksam. Fast drei Jahre waren vergangen, seit sie ihn zum letztenmal gesehen; sie fand ihn verändert, – viel blasser und schmaler im Gesicht.

»Bist Du immer gesund gewesen?« fragte sie.

»Immer, ... einige Erkältungen abgerechnet. Findest Du, daß ich krank aussehe?«

»N – nein.«

»Du siehst ganz wohl aus, Georg,« fiel die junge Frau ein. »Aber Mutter ist immer so: wenn sie nur jemanden ängstlich machen kann! Setze Dich jetzt –« sie nahm ihn beim Arme und führte ihn zum Sofa hin – »und sieh Dir meinen Buben an ... Ist er nicht brav gewachsen?«

Der Priester setzte sich, die junge Frau nahm an seiner Seite Platz und schob den Knaben zu dem Geistlichen hin.