»O doch! Ich vergaß nur ... Übrigens wie Du willst.«

Er stand auf und sprach das Vaterunser. Die anderen taten ihm nach, – die Mutter mit strengem Ernst, die Schwester mit verborgener Ungeduld, der Kleine mit verwundertem Blick.

»Die Mutter ist so eigen,« murmelte die junge Frau dann. »Nimm es ihr nicht krumm, Georg.«

»Wie sollte ich? – Sie hat ja recht.«

Trotzdem blieb die Stimmung eine gestörte. Die alte Frau genoß beinahe nichts und verhielt sich auch während des Essens schweigend. »Er hat sich nicht verändert,« mußte sie sich immer wieder sagen. »Ich darf nicht schwach werden, nicht erlahmen, ... ich bin Gott Rechenschaft schuldig über alles, was ich tue und sage. Wenn er sich, wie ich noch immer von Gott hoffe, gebessert haben wird, werde ich ihm zeigen dürfen, daß ich ihn liebe; eher nicht.«

Georg und die Schwester führten ein sich mühsam fortschleppendes Gespräch. Von der strengblickenden alten Frau ging gleichsam ein eisiger Hauch aus, der sich den anderen mitteilte. Sogar der arme kleine Junge saß eingeschüchtert da und gähnte verstohlen.

Als wieder abgetragen worden war, richtete die alte Frau sich in die Höhe und sagte zu ihrem Enkel: »Geh jetzt ins Nebenzimmer und spiele mit den schönen Sachen, die der Onkel Dir gebracht hat.«

Das Kind gehorchte mit sichtlichem Vergnügen.

»Warum darf er nicht bei uns bleiben?« fragte Georg.

»Weil Kinder nicht alles hören sollen, was Erwachsene untereinander sprechen,« entgegnete die Mutter. »Leg diesen eitlen Tand beiseite, Anna.«