Mit einem bangen Seufzer schickte Paula sich an, ihren Weg fortzusetzen. Der Pfad abwärts war steil und unbequem. Stellenweise kam Paula ins Laufen und war oft nahe daran, auszugleiten. Erschöpft, atemlos und mit zitternden Knieen langte sie unten an und sah jetzt das Dorf in der Nähe. Ihr Blick hatte sie nicht betrogen. Diese Häuser waren nichts Besseres als ärmliche Hütten. Einige alte Leute, Männer und Frauen, kamen ihr entgegen. Die wollte sie eben nach dem Pfarrhof fragen, als sie schaudernd innehielt. Diese Leute, erkannte sie nun, waren Kretins; sie grinsten sie an, lallten unverständliche Worte und schwankten an ihr vorüber.

»Glieder seiner Gemeinde!« dachte Paula und ging, seltsam erschüttert, weiter. Vor der ersten der Hütten stand eine Bäuerin und an diese richtete Paula ihre Frage.

»Der Pfarrhof liegt drunten, am anderen End' vom Dorf, g'rad' gegenüber vom Freithof[18],« sagte die Frau. »Aber was wollt's denn dort? Unser Herr is g'storben und der neue Vikar is noch net kimma.«

»Aber die Wirtschafterin des verstorbenen Vikars wohnt doch noch dort?«

»Ja. Also zu der wollt's.« Die Frau sah sie halb neugierig, halb mißtrauisch an. »Seid's von ihrer Freundschaft[19]

»Ja,« sagte Paula, grüßte und ging weiter. Als sie durch das Dorf schritt, fiel ihr die Dürftigkeit der Häuser noch peinlicher ins Auge; ein Rudel schmutziger Kinder trieb sich auf der Straße umher; alle stierten sie verwundert an. Jetzt hatte sie den Friedhof erreicht und blickte um sich. Eines der Häuser, einstöckig, mit grauen Fensterläden und einem vielfach geflickten Schindeldach, machte einen etwas besseren Eindruck als die umstehenden.

»Das muß der Pfarrhof sein,« dachte Paula, ging auf das Haus los und klopfte an das Tor.

»Herein!« rief drinnen eine weinerliche Frauenstimme. »Wer ist denn da?«

Paula öffnete das Tor und trat in den Hausflur. Eine schwarz gekleidete, ungefähr fünfzigjährige Frau kam ihr entgegen. Von Gestalt war die Frau klein und schmächtig, sie hatte ein verhärmtes Gesicht und rotgeweinte Augen. Ihr ganzes Wesen drückte schüchterne Verzagtheit aus.

»Was steht zu Diensten?« fragte sie, durch den Anblick einer Fremden sichtlich in Angst versetzt.