»Verzeihen Sie, daß ich Sie störe,« sagte Paula. »Ich werde Sie nicht lang aufhalten; ich habe Sie nur einiges zu fragen.«

»Wollen Sie nicht hinaufspazieren, ins Wohnzimmer vom seligen Herrn?« fragte die Frau und Tränen schossen in ihre Augen und liefen über ihre eingefallenen Wangen; hastig trocknete sie sich das Gesicht mit der Schürze ab. Sie ging voran und geleitete Paula in ein über alle Begriffe unwohnliches Gemach. An den schadhaften Stellen der Wandmalerei und an den Löchern in den Wänden konnte man erkennen, daß hier Möbel angerückt gewesen waren und Bilder und Gardinen gehangen hatten. Ordnungslos, teilweise in Stroh gewickelt, standen Möbelstücke umher, auf einem mit Staub bedeckten Tisch und einigen Stühlen lagen Pakete. Die Frau säuberte die Stühle und wischte mit der Schürze den Staub von denselben und bat Paula dann, Platz zu nehmen.

»Die Sachen gehören dem neuen Herrn Vikar,« sagte sie. »Vor ein paar Tagen sind sie angekommen. Ich traue mich nichts anzurühren, ... es könnte dem Herrn nicht recht sein. Aber schrecklich traurig sieht's hier aus, ... wie in einer Möbelhandlung oder bei einer Versteigerung.«

»Sie sollten doch Ordnung schaffen,« bemerkte Paula. »Bedenken Sie den Eindruck, den diese Unordnung auf einen Ankömmling machen muß!«

»Was kann ich tun?« entgegnete die Frau mit trübem Kopfschütteln. »Weiß ich denn, ob ich das Richtige treffe!«

»Ich werde Ihnen dabei behilflich sein,« sagte Paula und legte Hut und Mantel ab. »Ich kenne Ihren neuen Vikar. Er wird uns Dank wissen, wenn wir die Wohnung zu seinem Empfang ein wenig herrichten.«

Die arme Frau ging auf den Vorschlag gern ein. Sie machten sich an die Arbeit, packten die Möbel aus, hingen Gardinen an die Fenster, schlugen im Nebenzimmer das Bett auf, und Paula erwies sich bei allem, was sie anfaßte, so geschickt und unermüdlich, daß die Frau nicht mithin konnte, das junge Mädchen zu bewundern.

»Vieles fehlt noch,« sagte Paula, als sie fertig waren, zog ein Notizbuch hervor und schrieb einiges auf.

»Ich dachte mir, daß dem so sein würde, und deshalb bin ich gekommen. Das Küchengeschirr hat der Herr Vikar ganz und gar vergessen.«

Sie lächelte flüchtig; es machte ihr Freude, wie eine Hausfrau für ihn sorgen zu dürfen, und nachdenklich rieb sie sich die Stirn. »Habe ich alles notiert?« fragte sie sich selbst. Ja. Ihr praktischer, hausmütterlicher Sinn hatte alles übersehen. Sie wußte, was noch angeschafft werden mußte, auf daß die Wirtschaft, wie es sich gehörte, geführt werden konnte.