»Das mag der liebe Himmel wissen! Soviel ich gehört habe, hat er's einem Freund zuliebe getan; der war nicht recht gesund und hätte nach Keßten kommen sollen, und da hat halt mein Herr gebeten, sie möchten ihn statt seinem Freund hierherschicken. Sie haben recht, Fräul'n; ein braver Priester gehört an einen besseren Ort und es sein halt auch immer schlechte Herren hier gewesen, ... oder nicht gerade schlechte, aber halt leichtsinnige Herren, die nicht gut getan haben. Hier freilich sein alle still und dasig geworden und alle haben wieder fort wollen, ... aber die Herren in Salzburg sein ein bissel streng, wenn einer von ihren Geistlichen sich was hat zu schulden kommen lassen, und so haben sie einem jeden geschrieben, er soll nur bleiben, wo er ist. Und sie sein auch alle hier geblieben, ... draußen, auf dem Freithof, liegt einer neben dem anderen.«
Nach vorne gebeugt, die Finger krampfhaft ineinander verschlungen, saß Paula da; in ihrem leichenblassen Gesicht spiegelte sich eine so qualvolle Bangigkeit wider, daß die Frau, von einer unbestimmten Ahnung erfaßt, ihren Stuhl hart an den des Mädchens rückte und die Hand auf Paulas Arm legte.
»Warum geht Ihnen das Schicksal der armen fremden Herren so nahe?« fragte sie leise.
Paula haschte nach den abgearbeiteten Händen der Frau und schaute ihr in die Augen. Es war ein langer, langer, flehender Blick.
»Ich will Ihnen sagen, warum,« sprach sie dann stoßweise. »Sie sind gut, Sie werden mich verstehen. Sie wollen doch dem neuen Vikar die Wirtschaft führen?«
»Wenn er mich mag ...«
»Er wird. Sagen Sie ihm nie, daß ich hier war. Er ... er kümmert sich nicht um mich« (sie wandte das Gesicht ab bei diesen Worten), »ich bin ihm ... gleichgültig. Er braucht also von alledem nichts zu wissen.« Sie hielt einen Augenblick inne. »Und noch eines,« sprach sie hierauf. »Achten Sie auf ihn, sorgen Sie für ihn, wie Sie es für Ihren nun toten Herrn getan haben. Sie werden ihn lieb gewinnen, er ist gut und wird Sie rücksichtsvoll behandeln. Geloben Sie mir, das alles zu tun?«
»Mein Gott, ja. Ich werde den Herrn Vikar wie meine Augen behüten. Ist er noch jung?«
»Dreißig Jahre ist er alt,« sprach Paula. Ihre Stimme zitterte.
»Und Sie haben ihn halt gern,« sagte die Frau mitleidvoll.