»Adieu!« rief er kurz und entfernte sich mit großen Schritten.

Sie beachtete ihn nicht weiter; dachte nicht einmal mehr an ihn. Ihr Blick ruhte unverwandt auf der näherkommenden schwarzen Gestalt. Harteck war nicht allein. An seinem Arm hing ein junger Mann, derselbe Geistliche, der gestern Paulas Reisegefährte gewesen war. Die beiden sprachen angelegentlich miteinander und schienen recht heiter zu sein; der fremde Geistliche hatte eine jugendlich klare Stimme, sprach lebhaft und lachte manchmal lustig auf.

Paula konnte sich nicht verhehlen, daß dieser Anblick ihr wehe tat; Eifersucht regte sich in ihrer Brust. Wer war dieser Mensch, der sich so vertraulich auf Georgs Arm stützte, ihn so fröhlich zu stimmen wußte? ... Sie sah den jungen Mann mit zusammengezogenen Brauen und durchdringendem, fast feindseligem Blicke an.

Ganz in sein Gespräch vertieft, bemerkte er sie nicht. Harteck jedoch wendete den Kopf nach dem Garten hin und entdeckte das junge Mädchen. Er sagte seinem Begleiter etwas ins Ohr, was zur Folge hatte, daß dieser die Augen auf Paula heftete und den Arm des anderen fahren ließ. Harteck schritt auf Paula zu, während der Fremde in einiger Entfernung stehen blieb und sich mit Cäsar, der auch dabei war, zu schaffen machte.

Harteck reichte dem jungen Mädchen über dem Gartenzaun die Hand, und zum erstenmal zögerte Paula, seine Hand zu ergreifen; sie tat es am Ende doch, wenn auch sehr flüchtig, und fragte rasch: »Wer ist der Herr?«

»Denken Sie sich diesen eigentümlichen Zufall,« sagte Harteck und der Ton seiner Stimme wie das schwache Rot auf seinen Wangen bekundeten freudige Erregung. »Ich habe Ihnen einige Male von einem Freunde erzählt, ... demjenigen, den ich wartete, da er krank war, ... übrigens habe ich bloß den einen Freund ... und eben der ist bestimmt, mich hier zu ersetzen.«

»In der Tat,« sagte Paula, »das ist ein seltsames Zusammentreffen. Es ... es freut Sie wohl sehr, ihn wiederzusehen?«

»Sehr,« gab er arglos zu. »Er ist ein so prächtiger, lieber Mensch.« Zärtlich sah er nach ihm hin, und der junge Geistliche, der fühlen mochte, daß von ihm die Rede war, blickte ebenfalls auf die beiden. »Wollen Sie, daß ich ihn Ihnen vorstelle?«

»Nein,« sagte Paula ablehnend. »Lieber ein anderes Mal.«

Sie sagte es so gereizt, daß er sie befremdet ansah.