Solch ein geschwächter Organismus ist ungemein empfänglich für alles Sinnliche. Worte, Bilder, die auf das Erotische Bezug haben, sind wie ein Feuerfunken in einen Strohhaufen. Ja, wie mit einem schwülen Drang wird aus allen Gesprächen, aus Bildern und Büchern das Geschlechtliche hervorgesucht. Diese grüblerisch-ungesunde Art raubt dem Betreffenden viel frischen Sinn für das Wirkliche, viel Arbeitskraft und Lebensfreude. Immer lenkt das Geschlechtliche seinen Blick ab, und es ist nicht jeder unter den jungen Menschen stark genug, sich frisch loszureißen von der schwächlich-lüsternen Phantasiearbeit.

Gehirn und Zeugungsorgane scheinen sich da in einem schwächlichen und verderblichen Reizabhängigkeitsverhältnis voneinander zu befinden. Und oft ist es so, daß die Betreffenden von sinnlichen Bildern geradezu verfolgt werden, daß sie harmlosen Worten eine sinnliche Bedeutung geben, daß sie ein angeschautes Bildwerk oder eine Plastik zu sinnlichen Vorstellungen gebrauchen, daß sich in die Lektüre, in das Studium, in das Anhören eines Vortrages oder namentlich der Musik ein bestimmtes erotisches Bild einschiebt, von dem sie nur schwer wieder loskommen. Gewisse angeborene Neigungen, die sich am Gesicht oft erkennen lassen, spielen hier eine Rolle. Das ganze Leben scheint da in die fieberhafte Geschlechtserregung hineingezogen zu werden, und die Gefahr der Selbstbefleckung rückt immer näher.

Nicht lange dauert es, dann kommt es zu Berührungen der Geschlechtsteile, in denen diese Empfindungen sich konzentrieren. Durch diese Berührungen und Bewegungen kommt es zum krampfhaften, konvulsivischen Höhepunkt geschlechtlicher Erregung, und zum ersten Male findet beim Knaben ein Verlust von Samenflüssigkeit, beim Mädchen eine starke Absonderung gewisser Drüsen statt.

Warum hat dir bisher niemand die Gefahr gezeigt? Warum antwortete man deiner stummen Frage nicht und gab dir Anlaß, dich mit deinen Bekannten oder mit anderen insgeheim über diese Dinge zu besprechen? Und wie es so oft vorkommt, kam's vielleicht da zur Verführung. Ältere Schulkameraden oder häßlich denkende andere Menschen, Dienstboten, Arbeitsgenossen usw. vergnügen sich oft damit, in den jüngeren den geschlechtlichen Sinn zu wecken. Wenn's eine Strafe für sie gäbe, könnte sie nicht scharf genug sein.

Gar zu viele wissen davon zu berichten, daß in der Jugend die Dienstboten für sie die Lehrer dieser geheimen Fehler gewesen sind, und sie fühlen es ganz genau, welch ein Maß von Kraft sie dabei eingebüßt haben. Die besonderen Brutstätten dieser geheimen Verfehlungen aber sind die Schulen. Und man sieht, wie das Übel sich in den Klassen forterbt, wie es von einem frivolen Schüler, einer Schülerin, durch Verführung auf die anderen übergehen kann. Ja, die jüngeren denken sich nicht einmal was dabei, wenn die älteren sie dazu verleiten, an versteckten Orten mit den Geschlechtsorganen zu spielen, bis dann der geweckte Trieb sich schwer wieder eindämmen läßt und die Erregungen zur willkürlichen Gewohnheit werden. Das trübe, schlaffe, verlegene Aussehen, der unreine Teint vieler Kinder sollten Eltern und Lehrer darüber belehren, wie dieses Übel der Selbstbefleckung gerade in den Schülerjahren und in den Schulen ausgebreitet ist.

Hüte dich, mit deinesgleichen oder überhaupt mit anderen über das Geschlechtliche zu sprechen, wenn du nicht weißt, daß sie dir wohlwollen.

Und meide alle jene lüsternen, schmutzigen Unterhaltungen, die sich nur um das Geschlechtliche bewegen. In Schulen, Internaten, Seminaren sind die Gespräche der Schüler, wenn sie allein sind, oft von beschämender und empörender Häßlichkeit, und man kann es kaum fassen, wie das Schamgefühl so weit erstickt werden konnte. Die Lüsternheit verzerrt die Mienen, und die Unsauberkeit des Denkens weicht oft nicht mehr von dem Gesicht. Halte deine Phantasie rein von schmutzigen Vorstellungen, dein Denken gesund! Weise die leichtsinnigen Zungen ernst und überlegen zurück und stelle eine geistige Scheidewand zwischen dich und sie! Beschäftige dich auch nicht mit sinnlich erregender Lektüre oder lüsternen Bildern, die oft geheimnisvoll unter den Schülern und Schülerinnen verbreitet werden.

Wenn Eltern wüßten, in welch eine sinnlich schwüle Atmosphäre sich Kinder verirren, sie würden offenere Augen haben und die Gefahren abzulenken suchen, ehe es zu spät ist.

Die Reue über das Falsche und Schädliche, was man getan, läßt die Erinnerung daran wachbleiben.

Und es ist zu beobachten, daß wohl alle jungen Menschen Scham empfinden. Die fröhliche Offenheit, mit der sie sonst alles Tun vollziehen, macht vor ihren sinnlichen Fehlern halt; denn hier sagt schon ohne alle äußerliche Belehrung der natürliche Instinkt, daß man Unrechtes tut, und diese geheimnisvolle Triebverirrung sucht stets ein Versteck. Ja, das Bewußtsein des Unrechttuns ist so lebendig, daß bei den jungen Menschen oftmals das schlechte Gewissen sich in dem scheuen Blick kundgibt, der nichts mehr hat von der reinen, unschuldigen Natürlichkeit eines Kinderauges. Sie glauben sich beobachtet und in ihrem geheimen Treiben erkannt und werden deshalb oft verwirrt und untauglich für gesellschaftlichen Umgang. Sie lieben es, allein zu sein, zu grübeln, weil sie mit der Geschlechtskraft zugleich jene antreibenden Kräfte erschöpfen, welche einen jungen Menschen in das Leben hinaustreiben und seine sozialen Fähigkeiten entwickeln.