So ist aus der Erschöpfung der in sozialer Hinsicht antreibend wirkenden Geschlechtskraft durchaus jene geistige und gesellschaftliche Unfreiheit zu erklären, die den richtigen Onanisten oft durch das ganze Leben hindurch verfolgt. In gesunder Geschlechtskraft liegen die Wurzeln zu sozialer Entwicklung. Der Verlust der Lebenssäfte untergräbt die Energie, und das drückende Bewußtsein des geheimen geschlechtlichen Unrechts prägt sich störend und hemmend der Persönlichkeit und dem ganzen Auftreten der Betreffenden auf. Je fester aber diese einsame Triebverirrung den jungen Menschen umklammert, desto schwerer wird es, von der unsauberen Gewohnheit zu lassen.

Je häufiger ein menschlicher Trieb rein körperlich und losgelöst von seinen geistigen Beziehungen betätigt wird, desto mehr sinkt er ins Körperliche hinab und verliert seine geistige Beherrschung.

Immer wieder triumphiert der dumpfe, schwüle Geschlechtsdrang über den sittlichen Willen, und jede Niederlage schwächt den Glauben an die eigene sittliche Kraft, zumal jeder einzelne Akt der Onanie die allgemeine Kraft verringert und die nervös-geschlechtliche Erregbarkeit vermehrt. Dann sieht es oft verworren und trostlos im Innern solcher Menschen aus. Und mancher hat schon vor mir gestanden mit tränendem Auge und zuckendem Munde, weil die Scham über seine Schwäche ihm namenlose Qual verursachte.

Der Onanist träumt sich selbst in die Gewalt der sinnlichen Empfindung hinein und treibt dadurch jedesmal wieder seinem Fehler entgegen. Und doch wäre es ratsamer, wenn er sich vorher jenen Zustand von Mattigkeit, herabgesetzter Spannung, schwächerer Atmung und Herztätigkeit, Reue und sittlichem Elend vorstellen wollte, der dem Samenverlust folgt. Dies Bild wäre wohl imstande, seine sinnliche Erregung zu verdrängen.

7.
Die Folgen der sinnlichen Fehler.

Man muß die Gefahr in ihrem ganzen Umfange kennen, wenn man ihr überlegen begegnen will. Darum will ich dir vorerst einmal sagen, welchen Schaden diese krankhafte Erregung mit dem Samenverlust bringt. Ich will nicht übertreiben; denn deine einsamen Verirrungen haben dir Sorge und Angst genug gemacht. Und ich warne dich vor jenen albernen und dummen Büchern, die dir das Gespenst eines schrecklichen körperlichen und geistigen Verfalls vor die Augen malen. Gerade die übertriebenen Schreckbilder haben schon viel Schaden angerichtet. Ich will die Wahrheit über die Folgen nicht übertreiben; aber du sollst die Wahrheit auch nicht fürchten. Also höre!

Die einmalige Onanie ist von einer starken Erregung begleitet, die alles Leben rascher in dir antreibt. Die Pulse fiebern, das Gesicht rötet sich, der ganze Körper ist angespannt und wird von dieser einen verzehrenden Empfindung beherrscht. Es gibt aber ein Gesetz in der Natur und im Organismus, daß jeder Kraftsteigerung ein Nachlassen der Kraft, jeder Erregung eine Erschlaffung folgt. So auch hier. Und diese Erschlaffung zeigt sich auch äußerlich, je mehr die Onanie sich wiederholt, in blassem Aussehen oder bei gutem Aussehen in merkwürdiger Unreinheit der Gesichtsfarbe, in dunklen Ringen unter den Augen, in dem Erscheinen von Pickeln auf der Stirn, in schwitzenden Händen und oft in gestörter Verdauung.

Es ist leicht einzusehen, daß ein Schaden, dem jugendlichen Organismus zugefügt und in die Wachstumsjahre fallend, weit nachteiliger sein muß, als wenn er in reiferem Alter einen festen und kräftigen Körper trifft. Dies ist der Fall bei den sinnlichen Fehlern der Jugend, deren größte Gefahr eben in der frühzeitigen, unbehinderten und häufigen Ausübung liegt. Denn es gibt viele Knaben und Mädchen, die dem Übel der Selbstbefleckung längere Zeit hindurch mehrmals am Tage verfallen.

Der Organismus zieht aber alle Reservekräfte heran, um dem Schaden zu begegnen. Er überwindet ihn einmal, zweimal, zehnmal und noch öfter. Der starke Erregungsvorgang setzt sich aber schließlich im ganzen Nervensystem fest. Denn das Nervensystem ist dasjenige Organ, das alle diese Vorgänge vermittelt. Die Erregung wird also bleibend, wird zu einer besonderen Eigentümlichkeit des ganzen Menschen. Eine Zeitlang ist das Leben dann von besonders kraftvollem Ausdruck, körperlich und geistig herrscht Hochspannung. Das ist in den zwanziger Lebensjahren, und viele meinen da, die Onanie habe ihnen nichts geschadet, weil sie womöglich gut aussehen und keine Klage über mangelhafte Gesundheit zu führen haben. Trotzdem sie vielleicht gerade noch in dieser Zeit häufiger onanieren.

Aber gemach! Es ist immer oberflächlich, die Dinge nur so zu beurteilen, wie sie im Augenblick erscheinen. Es gibt keinen festen Punkt in der Natur und im Leben, alles ist ein Werden oder Vergehen. Nicht eine Sekunde steht das Leben still.