Auch hier schreitet es weiter, aber nicht mehr aufwärts, sondern abwärts. Es beginnt die Erschlaffung, der Kraftverlust.
Wie ist das zu erklären?
Kennst du ein elektrisches Element? Das ist ein Gefäß, das verschiedenartige chemische Stoffe enthält, durch die der elektrische Strom erzeugt wird, den dann der metallische Draht an seinen Verbrauchsort leitet. So ist es mit der Kraft im Körper, der Lebenskraft. Sie entsteht und wird frei in der chemischen Umwandlung des Körperstoffes. Wir können also sagen, Lebenskraft sei tierische Gewebselektrizität.
Speisest du mit den elektrischen Elementen etwa eine Klingelanlage oder sonst einen elektrischen Betrieb, so bedeutet jeder Gebrauch eine elektrische Entladung, also eine vorübergehende Erschöpfung der Elemente. Das Element, also die Brutstätte des Kraftstromes, sammelt in der Ruhe wieder die notwendige Kraft. Wird es aber überstark, ohne genügende Zwischenpausen, also mißbräuchlich benutzt, so erschöpft sich das Element vollkommen, wird also zerstört, unbrauchbar.
Genau so ist es im Körper, der auch ein Element, eine allgemeine Brutstätte für Lebenskraft ist. Die in den Geweben erzeugte Elektrizität wird als Kraft durch das Nervensystem allen Teilen des Körpers zugeführt. Die Onanie bringt eine Steigerung der gesamten Lebenstätigkeit, eine schnellere Entwicklung, etwa so wie man Pflanzen durch die schwüle Treibhaushitze zu schnellerem Wachstum, aber auch zu schnellerem Verblühen bringt. Infolgedessen wird zwar im Körper Kraft verbraucht, aber auch rascher neu erzeugt, weil der junge, in der aufsteigenden Entwicklung stehende Körper sich wie ein Akkumulator immer wieder mit neu erzeugter Kraft ladet. Schließlich aber erschöpft sich die Brutstätte und erschöpft sich das Krafthauptlager, als das wir das zentrale Nervensystem – Rückenmark und Gehirn – erkennen.
Die Geschlechtsorgane sind eine Stätte für elektrische Entladungen. Und sicher ist, daß beim normalen Zeugungsvorgang zwischen Mann und Weib eine Stromübertragung stattfindet, die bei der Befruchtung und für dieselbe eine große Rolle spielt. Mann und Weib sind Gegenpole, auch im rein elektrischen Sinne aufgefaßt. Der Stromentladung folgt eine Ladung von seiten des Gegenpols. Dem Kraftverlust folgt ein Zustrom an Kraft, und dieser Vorgang fehlt bei der Onanie gänzlich. Sie ist nur und ausschließlich Entladung, nur Kraftverlust. Und wenn auch der junge Körper eine Zeitlang immer wieder den Ausgleich schafft, so vermag doch – namentlich wenn die Onanie zu häufig ausgeübt wird – der Körperakkumulator sich nicht wieder genügend und völlig zu laden. Der Kraftstrom wird immer geringer. Die Kraft schwindet, und die chronische, also dauernde Schwäche schleicht heran und breitet sich im ganzen Organismus aus. Im Nervensystem zeigt sich dieser Zustand in der Veränderung der Marksubstanz. Das Nervenmark verliert seine Geschmeidigkeit und gleichmäßige Verteilung. Und weil es gewissermaßen den Strahlpunkt und den Kernstoff des Lebens bildet, so kann man wohl verstehen, daß das Leben selber, nun, wenn es seinen gar zu frühzeitigen Höhepunkt überschritten hat, langsam zurückgeht.
Nun haben alle Tätigkeitsgruppen des Organismus im Gehirn und im Rückenmark ihre ganz bestimmte Lagerung. Mit diesem Teile steht die Atmung und die ganze Lungentätigkeit in Verbindung, mit jenem Teil das Herz, mit einem dritten die Haut, und so fort.
Die Fortpflanzungstätigkeit hat zum großen Teil ihren Strahlpunkt im mittleren (Kreuz-) Teil des Rückenmarks. An den Kreuzschmerzen nach geschlechtlichen Ausschweifungen und bei Geschlechtskrankheiten ist das sehr wohl zu erkennen. Der Grenzbezirk der Geschlechtlichkeit im Rückenmark ist aber nur sehr schwer zu trennen von demjenigen der Verdauungs- (Magen- und Darm-) Tätigkeit. Und diese Tatsache ist einerseits sehr folgenschwer für den Geschlechtsmißbrauch, andrerseits aber ein klarer Beweis für die Richtigkeit der von Dr. Damm aufgestellten Behauptung, daß der Geschlechtsmißbrauch weit mehr als alle anderen Schäden als die Hauptursache der Degeneration, d. h. des dauernden Kraftverlustes, anzusehen ist. Das gilt für den einzelnen Menschen genau so wie für das ganze Volk.
In der Tat macht sich der Kraftverlust meist zuerst in Störungen der Magen- und Darmtätigkeit bemerkbar. Und die geschwächte Verdauungstätigkeit ist so bezeichnend für das Gesamtbild onanistischer Folgen, daß wir außer der nervösen Schwächung durch den krankhaften Geschlechtsreiz auch eine auf gleicher Ursache beruhende Verminderung der inneren Ausscheidung annehmen müssen. Denn das Nervensystem bringt alle Teile des Organismus zueinander in rege Beziehung, und wenn die krankhafte Geschlechtserregung sich eine Zeitlang dem ganzen Körper mitgeteilt hat, dann tritt in allen Teilen eine gewisse Erschöpfung ein.
Der Magen wird schwach und zeigt Reizbarkeit und eine Art von Launenhaftigkeit, die sich in Merkwürdigkeiten des Appetits äußert. Zeitweilig schwindet der Appetit, zeitweilig aber auch tritt er heftiger hervor, und man vermag zu beobachten, daß mancher geschlechtlich ausschweifende Mensch einen auffallend gesteigerten Appetit hat. Es scheint dann, als wolle die Natur den Verlust wieder ersetzen. Aber da durch eine Herabsetzung der inneren Absonderungen die aufbauende Kraft vermindert ist, so kann die Nahrung nicht „anschlagen“. Trotz guter Ernährung findet sich dann ein Gefühl der Schwäche, der Mattigkeit und Erschöpfung ein, was oft durch das ganze fernere Leben hindurchgeht und oft allein vom Magen seinen Ausgang nimmt.