Auch Darmstörungen, meist Trägheit und Verstopfung, sind bezeichnende Folgen geschlechtlichen Mißbrauchs, und mancher Verdauungsneurastheniker wird gestehen müssen, daß in oder nach den Jahren der Onanie seine Verdauungsbeschwerden und seine Mattigkeit begannen.
Darunter leidet natürlich bald die Ernährung und der Neuaufbau des Körpers, ebenso die Blutbildung und das gute Aussehen.
Die Herz- und Muskelkraft und das Muskelgewebe erleiden eine Einbuße, und die Freudigkeit an der Körperarbeit, an Gymnastik, Sport und Spiel läßt nach.
Es ist wohl zu verstehen, warum gerade ein Organ, wie das Herz, das an allen Erregungen des Körpers und der Sinne direkten und unmittelbaren Anteil nimmt, durch häufige und starke Geschlechtserregungen besonders erschöpft werden muß. In der Tat treten oft schon nach den zwanziger Jahren nervöse Herzbeschwerden auf, zunächst als beschleunigter, oft ganz heftiger, beängstigender Herzschlag sich zeigend, während später eine gewisse Herzschwäche sich einstellen kann.
Der verminderten Stoff- und Säfteumwandlung in den Geweben folgt auch eine Verminderung der Wärmebildung, und leichtes und öfteres Frösteln, Gefühl von Unbehaglichkeit, tritt auf. Kalte Hände und Füße, dazu beide leicht schwitzend, stellen sich ein.
Die Hauttätigkeit kann gleichfalls erschlaffen; denn sie steht in regsten Wechselbeziehungen zu den Nervenzentren und vor allem zu der Geschlechtstätigkeit. Ebenso wie sie durch Rötung, Blutfülle, Schwitzen usw. an den Geschlechtserregungen teilnimmt, wird sich die organische Erschlaffung auch durch herabgesetzte Hautarbeit kennzeichnen. Es fehlt der Haut die pralle, blutreiche Straffheit. Sie beteiligt sich nicht mehr regsam genug am allgemeinen Stoffwechsel, verliert ihre Fähigkeit, sich zusammenzuziehen und auszudehnen und dadurch der wechselnden Witterung und plötzlichen Kälteeinflüssen sich anzupassen. Sie fröstelt leicht, es bilden sich krankhafte Schweiße, und namentlich im Kreuzteil des Rückens ist der Wechsel von heiß und kalt und jenes angstvolle Schwächegefühl oft eine ständige Erscheinung. Die Unreinlichkeiten der Haut, Pickel, Ausschläge, die schon während der jugendlichen Onanie so bezeichnend sind, kann man bei den geschlechtlich erschlafften Menschen oft im ganzen Leben beobachten. Das Haar verliert seinen Glanz und seine Triebkraft, und bald beginnt es grau zu werden oder auszufallen. Daß wir heute Kahlköpfe selbst unter den jungen Leuten sehen, ist kein Ruhmeszeichen für unser deutsches Volk. Denn wenn schon die Jugend Erscheinungen des Alters trägt, dann hat das Volk den Weg abwärts beschritten.
Der Haarausfall hängt ganz sicherlich auch mit der Verminderung der ausdünstenden Tätigkeit der Haut zusammen, deren Gleichmäßigkeit eine notwendige Bedingung der Gesundheit ist. Der durch die erschlafften Gewebe bewirkte unvollkommene Stoffwechsel stellt eine Vergiftung des Körpers durch chemische und gasförmige Stoffe dar, die den Haarboden zerstören. Ebenso bedeutet aber auch die krankhafte Schweißbildung, die in den Folgen des geschlechtlichen Mißbrauches auftritt, eine nervöse und Gewebserschlaffung.
Da nun das Leben und die mancherlei Berufe große Anforderungen an die Nervenkraft stellen, denen der geschwächte Organismus nicht mehr gewachsen ist, so sehen wir bald das Bild der Nervosität in all den trüben Farben, die uns jeder Tag und sozusagen jeder Mensch zeigt. Schlaflosigkeit, Unruhe, Zerfahrenheit, Zerstreutheit, Gedächtnisschwäche, Mangel an Konzentration und Willenskraft, Melancholie und alle diese Feinde eines gesunden, frischen Lebens stellen sich ein, die geistige Schwungkraft und Arbeitsfreudigkeit der Jugendjahre schwinden. Die Denkkraft vermindert sich, und der Kampf zwischen Wollen und Können endet oft in der bitteren und verzweifelten Erkenntnis des Nichtmehrkönnens.
Wie viele sind es schon, die mir diesen beklagenswerten Zustand erzählt haben, viele, die ganz genau wissen, wie geistig munter sie früher waren, und welch ein geistiges Wrack sie nun geworden sind! Wie vielen habe ich in dieser Lage schon Trost und Mut und Rat für eine Lebensführung geben können, die den Körper wieder kräftigt[1].
Auch die Lungen und Bronchien leiden unter den erschöpfenden Erregungen und dem Samenverlust. Ist die Lunge von Haus aus schwach, so kann sie ernstlich erkranken. Ein durch sinnliche Fehler erschöpfter Organismus ist ganz sicher ein besserer Angriffspunkt für die Tuberkulose, für Lungenentzündung und für ungünstige klimatische Einflüsse als ein vollsaftiger Organismus.