Noch vorsichtiger sollen alle diejenigen, die unter geschlechtlichen Anfechtungen leiden, mit dem Genuß von Wurst sein. Abgesehen davon, daß sie ein recht teures und an Nährwert dem Preise durchaus nicht entsprechendes Nahrungsmittel ist, wird einigen und gerade den besseren Sorten recht viel Gewürz (Pfeffer, Salz usw.) beigemengt, dessen Wirkung auf die Geschlechtserregung durch alltägliche Beobachtung bewiesen wird.
Viel Aufhebens wird ja in der Ernährung des Volkes von Fleischbrühe und Fleischextrakt gemacht. Erstens herrscht darin die gedankenlose Überlieferung und zweitens die suggestive Macht der ungeheuren Reklame, die für künstliche Fleischextrakte gemacht wird. Es muß gesagt werden, daß der Gehalt an eigentlichen Nährstoffen bei der Fleischbrühe nur sehr, sehr gering ist, und man die anregende Wirkung nur jenen Auszugsstoffen zuschreiben muß, über deren reizende und erregende Rolle wir schon sprachen. Wenn die Fleischbrühe hier und da im medizinischen Sinne als Reizmittel Verwendung findet, so hat das seine Gründe. Als Nahrung aber ist die „Bouillon“ nicht das, was man von ihr hält. Sie gehört mit zu jenen inneren Geschlechtsreizen, die um so gefährlicher werden, je weniger man sie in ihrem Wesen kennt, je häufiger und gedankenloser man sie also verwendet. Wer über seine Sinne wachen muß, der darf sich nicht am guten Willen genügen lassen, sondern muß jene oft handgreiflichen Triebkräfte seiner sinnlichen Erregbarkeit abstellen, damit nicht der Geist den Kampf gegen das – „Fleisch“ im doppelten Sinne zu führen hat.
Auch andere Nahrungsmittel gibt es, die in diesem Sinne keineswegs unbedenklich sind. Ich nenne vor allem die Eier. Sie scheinen die Samenerzeugung zu steigern, haben aber besonders eine Wirkung auf den Blutdruck. Hoher Blutdruck drängt gewissermaßen zur geschlechtlichen Entspannung, durch die er herabgesetzt wird, weshalb alles, was ihn steigert, vermieden werden sollte. Das chemische Medium dabei sind die Alkaloide, die als „Harnsäure“ eine nach verschiedenen Richtungen hin krankmachende Wirkung entfalten. Sie sind aber auch im Kaffee und im Tee enthalten, weshalb diese Getränke jedenfalls nicht gewohnheitsmäßig und nicht in starkem Aufguß genossen werden sollten. Ein schwacher Tee ist weitaus besser als der übliche Kaffee, der bei den meisten Menschen ganz bedenklich die Magenarbeit stört, die Nerven erregt und bei jungen Menschen recht geeignet ist, sinnliche Bilder in die Phantasie hineinzuspiegeln.
Gewürze sind über ein gewisses Maß hinaus zu verwerfen. Denn als Fremdstoff üben sie eine reizende Wirkung auf die Geschlechtsnerven aus. Werden die Nahrungsmittel, besonders die Salate und Gemüse, richtig zubereitet, so verlangen sie nicht einmal so viele Gewürze, aber gerade weil man in der Ernährung den Boden des Einfach-Notwendigen verlassen und sich oft zur sogenannten „Delikatesse“, zur Feinschmeckerei, zur Raffiniertheit verstiegen hat, hat man den Geschmack an einfachen und natürlichen Nahrungsmitteln verloren und das Nervensystem in einen beständigen Aufruhr, in eine „Süchtigkeit“ versetzt, die heftig das verlangt, an das es gewöhnt wurde, wenn es auch falsch war. An diesem Aufruhr ist das Geschlechtsempfinden beteiligt. Es wird aus der gesunden Ruhe aufgescheucht, zu krankhafter Erregung getrieben, und es wäre recht gut und förderlich, wenn alle die jungen Menschen, die in heißem Ringen um ihre sittliche Würde immer wieder der geschlechtlichen Anfechtung verfallen, ganz sorgfältig die Nahrung prüfen würden, damit die inneren Geschlechtsreize unterbunden werden, bevor man den sittlichen Willen in den Kampf schickt.
Man darf behaupten, daß eine vegetarische Diät weit mehr den natürlichen Lebensgesetzen des menschlichen Organismus angepaßt und darum nach jeder Richtung hin geeignet ist, Unruhe und Krankheit aus dem Körper zu beseitigen und normale, ruhige, gesunde Verhältnisse wiederherzustellen. Dem menschlichen Geschlechtsleben ist der starke Fleischgenuß verderblich gewesen, und eine Rückkehr zu einfacher Pflanzennahrung wird wieder gesunde Ruhe und ruhige Kraft bringen.
Kennst du so die gefährliche Wirkung der mit der Nahrung eingeführten Reizstoffe, so mußt du auch daran denken, daß die Resterzeugnisse des Verdauungs-, Assimilations- und Stoffwechselvorganges gerade wegen ihres Zerfallscharakters auch nichts anderes als schädliche Reizstoffe sind. Sie müssen den Körper sobald wie möglich verlassen. Nur dann, wenn es geschieht, kann man von einem gesunden Stoffwechsel sprechen. Es geschieht aber nicht immer, und die Zahl der Menschen ist Legion, die an Darmträgheit oder Verstopfung leiden.
Über die Ursachen dieses Übels sprachen wir schon. Zu viel Fleischkost und zu wenig Bewegung, also nervöse und Muskelerschlaffung. Später wird die Darmerschlaffung eine Folge des geschlechtlichen Mißbrauches in der Jugend. Mit diesen Ursachen kennen wir zugleich auch die Mittel zur Beseitigung. Notwendig ist diese; denn der gefüllte Darm übt rein mechanisch einen Druck aus, der sich in Geschlechtserregung auslöst. Grobes Brot (Schrot-, Graham-, Simons- oder Molkenbrot), Gemüse, Salate und reichlich Obst führen in den meisten Fällen eine gute Darmtätigkeit herbei.
Auch die gefüllte Blase steigert auf reflektorischem Wege den Geschlechtsreiz, und namentlich junge Männer haben am Morgen beim Erwachen meist Gliederregungen, die mit dem Harndrang zusammenhängen. Ist die Harnblase entleert, so ist meist auch die Erregung verschwunden. Im Hinblick darauf sollten junge Männer es vermeiden, am Abend viel zu trinken. Das Trinken ist ja schon an sich sinnlos, aber für die Zurückdrängung der Sinnlichkeit besonders zu beachten.
Den alkoholischen Getränken gegenüber entschließest du dich am besten zu vollkommener Enthaltsamkeit. Bier, Wein, Schnaps, Liköre und dergleichen haben keinen Wert als Nahrungsmittel und werden darin von den allereinfachsten Dingen wie Milch, Brot, Käse, Obst und Obstsäften übertroffen. Als Reizmittel aber sind sie dem Nervensystem verderblich, dem Geschlechtstrieb gefährlich, und darum ist es sinnlos, sie zu trinken. Im Kampf mit dem Geschlechtstrieb muß man solche gefährlichen Gegner, wie den Alkohol, zu allererst verscheuchen.
Ich will an dieser Stelle einiges über das Bett sagen; denn auf sein Schuldkonto ist manches von den sinnlichen Verirrungen zu setzen. Mit zunehmender Kultur wurden Unter- und Oberbett und auch die Kissen immer weicher, schmiegsamer. Dadurch wird die Berührung dieser Dinge mit dem Körper inniger, und das ist angesichts der großen Empfindsamkeit der äußeren Nerven nicht unbedenklich. Es entsteht unter den Federbetten eine Wärmestauung, und Wärme steigert überall das Empfinden. Wenn nun aus gesteigerter Wärme und äußeren Tastreizen sinnliche Träume entstehen, so geschieht es leicht, daß die Hände die geschlechtlichen Organe berühren und eine Geschlechtserregung unbewußt im Schlafe oder auch bewußt herbeiführen. Mancher junge Mensch wacht plötzlich vom Schlafe auf in einem Augenblicke, wo der onanistische Akt ganz oder teilweise vollführt ist.