Nichts ist notwendiger in unserer Zeit, als diesen Kräftestrom wieder in sein natürliches Bett zurückzulenken, die natürlichen Lebensbedingungen wiederherzustellen, körperlich zu arbeiten. Oder, wo das nicht ausgiebig möglich ist, Sport und Gymnastik zu betreiben. Der gesunde Instinkt der Jugend hat das überall erkannt. Und überall in Deutschland begegnet man jetzt den Wandervögeln, den Pfadfindertrupps, sieht man Tennisspiel, Fuß- und Faustball u. a., gibt es Turn- und Sportvereine, Sommer- und Wintersport, Berg- und Wassersport. So ist es recht, und niemand sollte sich davon ausschließen. Ein junger Mensch, der immer zu Hause sitzt und nicht da draußen seine Kräfte übt, seine Lungen weitet, hat keine rechte Jugend gekannt. Und daß gerade die blassen Stillsitzer unter den Onanisten so häufig zu finden sind, beweist die Gefahren der körperlichen Untätigkeit. Die Wandervögel, die Pfadfinder sind an Zahl gewachsen. Aber zehnmal, hundertmal so viel müßten es sein. Ein nationales Erwachen müßte durch das Volk, müßte vor allem durch die Jugend gehen, daß wir mehr von den Büchern und der blassen Stubenhockerei und dem verdammten Kneipen-, Sauf- und Lumpenleben loskommen. Das deutsche Volk wurde vor dem Kriege leider immer reicher an Theoretikern, Maulhelden und Schlafmützen und an jenen ästhetischen, saftlosen Dekadenten, die elegant und blasiert im Café saßen, über Gott und die Welt räsonnierten und überlegen philosophierten, aber selber im Leben nirgendwo einen rechten Platz ausfüllten, sondern nur die Scheu vor der Arbeit allerorten großzogen. Diese schlaffen Kerle kriegen nur Spannung, wenn das Erotische ihr Auge oder ihr Ohr trifft, wenn „die Weiber“ das Gesprächsthema bilden. Alles andere vermag ihre ausgelaugte Intelligenz nicht mehr hervorzulocken.

Laß dir dies kühl blasierte Gesicht nicht imponieren! Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Laß dir daran gelegen sein, einen kräftigen, gesunden, elastischen Körper zu gewinnen, den diese „moderne“ Schlaffheit und Moralfaulheit nicht überwinden kann. Sparst du die Geschlechtskraft, so lenkst du sie um in alle Organe deines Körpers und baust dir aus dem geheimnisvollen Lebensstoff ein Leben, das im Alter die Klugheit deiner Jugend segnet.

Es ist wahrlich keine Schwarzseherei, wenn ich darauf hinweise, daß auch das Turnen in mancherlei Hinsicht Gefahren in sich trägt. Die Geschlechtsorgane sind bei vielen, namentlich bei den nervös veranlagten jungen Menschen leicht reizbar. Darum ist es geraten, zum Beispiel beim Klettern an Stangen und Tauen Reibungen der sexuellen Organe zu vermeiden. Wo eine Gefahr besteht, kann man nicht genug auf der Hut sein. In den Schulen und beim Militär wird ja auch auf einen korrekten Kletterschluß geachtet.

Vorzügliche Beachtung verdient neben den Wanderungen, die den Körper stärken und den Geist zugleich ablenken und ausfüllen, das Schwimmen. Junge Menschen, deren sinnlicher Trieb sich in den Vordergrund drängt, sollten fleißig das Schwimmen üben; denn es behebt die Blutfülle in den Unterleibsorganen, die oft die unmittelbare Ursache der geschlechtlichen Erregungen ist. Auch werden die sinnlichen Vorstellungen und Träume, die aus solchen Blutstauungen entstehen, durch das Schwimmbad energisch beseitigt und durch den niederschlagenden Kältereiz stets auf einige Zeit zurückgehalten. Ich empfehle aber rasches Auskleiden, energisches Hineingehen ins Wasser und schnelles Wiederankleiden. Nichts aber ist nach allen Seiten hin von so großem Werte wie das tüchtige Luftbaden. Es vereinigt viele Faktoren der Gesundheitspflege und Nervenstählung in sich und stellt die kraftvollste und unmittelbarste Verwirklichung jenes „Zurück zur Natur“ dar, das seit Rousseau immer lebendiger in die allgemeinen Lebensanschauungen hineingetreten ist. Zeitweilig und regelmäßig sich im Freien, in abgeschlossenen Luftbädern oder im einsamen Wald, der Kleider zu entledigen und den nackten Körper bei guter und schlechter Witterung der Luft auszusetzen, das ist eine Klugheit und eine Wohltat zugleich. Ein Kraftzuwachs ist der Gewinn dieser Klugheit. Und wenn das Luftbad mit tüchtiger Bewegung, Laufen, Springen, Turnen oder – wo es geht – mit Schwimmen verbunden wird, dann verscheucht es sicherlich alle die wirren sinnlichen Phantasien, unter denen der blasse Stubenhocker leidet. Der gewaltige Bewegungsdrang der Jugend will und muß entladen werden, denn dieser Bewegungsdrang ist ja eben Jugend, und in seiner Betätigung liegt das Geheimnis des Wachstums, der Erstarkung. Wird alles Körperliche, Spiel, Sport, Gymnastik, Schwimmen, Luftbad, Turnen, unterbunden, und zwingen Elternhaus und Schule zur Stillsitzerei hinter den Büchern, dann stauen sich die Jugendkräfte und entladen sich da, wo krankhafte Reizbarkeit ihnen ein Tor öffnet, in der Geschlechtssphäre. Wenn so die drängenden, jugendaufbauenden, lebengestaltenden Kräfte in der Onanie einen Ausweg gefunden haben, dann verlangt der erschöpfte Organismus nicht mehr nach körperlicher Kraftentladung. Dem erschlafften Körper ist das Stillsitzen ein Bedürfnis, eine Wohltat, und aus dem Onanisten entwickelt sich oft in der Schule der blasse, folgsame Streber, der der Stolz des Lehrers ist und den doch das Leben später, wenn er nicht mehr so recht vorwärtskommt, darüber belehrt, daß nicht allein geduldiges Sitzen, sondern Entschlußkraft, Mark und Saft dazu gehören, ein Ziel zu erreichen. Dies sind aber Werte, die durch geschlechtliche Reinheit in der Jugend gewonnen werden.

Besser noch und richtiger als alles, wovon ich oben sprach, besser als Sport, ist die Arbeit, die rauhe körperliche Arbeit. Der Sport hat noch kein Volk groß gemacht, sondern die Arbeit, die harte, rauhe Notwendigkeit. Denn Sport verleitet überall zu Rekordleistungen, zu Übertreibungen, zu Fexerei und – Schwindel. Der Sport läßt hier und da nichts mehr von seinem inneren Werte merken und ist zum Schaustück, zur Unterhaltung, zum Nervenkitzel geworden. Das beweisen – die Wetten und der Totalisator. Die Sucht nach wahnsinnigen Gipfelleistungen ist eine Erscheinung der Neurasthenie eines ganzen Volkes. Schlaffe Nerven antworten nur auf starke Reize.

Der Sport ist sicherlich die notwendige und wohltätige Reaktion gegen Schul- und Schreibstuben- und Fabrikarbeit. Aber der Sportmatador hat viel zu sehr die bewundernden Blicke auf sich gezogen und den Sinn abgelenkt von der körperlichen Arbeit, die greifbare Werte schafft. Geh aufs Land hinaus und sieh die Arbeit der Bauern. Sie bestellen den Acker, und von den Erzeugnissen ihrer Arbeit, von Kartoffeln, Kornfrucht, Grünzeug, Obst und Viehzucht nährt sich das ganze Volk. Ist das nicht wertvoller als sechs Tage lang wie ein Besessener im Kreis herumzuradeln und klüger noch, als bei diesem Unsinn zuzusehen?

Aber im Frühjahr und namentlich im Herbst ist auf dem Lande Leutenot. Haben wir Deutschen nicht genug Hände zum Arbeiten? Ei, jawohl! Aber sie stecken in den Hosentaschen und sind – manikürt. Und während der Bauer am Abend sorgend den drohenden Himmel betrachtet und vor Sonnenaufgang aufsteht, um in harter Arbeit, mit Frau und Kindern und mit den wenigen Kräften, die er bekommen kann, den Reichtum seiner Fluren in den Scheunen zu bergen, sitzen in der Stadt Tausende im Kaffeehaus, spielen sie Tennis- und Fußball und tragen in sich den glückseligen Gedanken von der „Gesundheit des Sports“.

Ja, gewiß ist er gesund! Aber ließe sich nicht ein weniges von all der spielenden Kraft in Ernst, in Arbeit umwandeln? Sollen wir geschlagenen Deutschen nicht eine ganz neue Zukunft bauen? Könnten nicht die jungen Burschen, die Sportklubs, die Wandervögel und Pfadfinder, zum mindesten in den Ferien, einmal zu den Bauern hinauswandern, um zu arbeiten? Muß man immer spielen? Und vielleicht nur deshalb spielen, weil zu jedem Sport auch gleich ein „schickes“ Kostüm erdacht wird? Ja, die kostümlich-dekorative Marke verdrängt oft sehr aufdringlich die innere Kraft der Sache. Die Arbeit auf dem Lande wäre für die jungen Burschen aller Stände nicht nur gesundheitlich förderlich, sondern auch ein kräftiger Faktor ihrer sozialen Erziehung.

Das deutsche Volk war vor dem Kriege auf jener Stufe der Degeneration angelangt, wo in einem letzten Aufflackern der Körperkraft der Gedanke an die Arbeit im Sport ästhetisch kultiviert wurde. Alle Welt litt und erkrankte an der körperlichen Untätigkeit und der geistigen und nervösen Überreizung. Alle Welt schaffte sich nicht Hunger und Verdauungskraft in der Arbeit, sondern hatte die Mahlzeiten zu einer Haupt- und Staatsaktion erhoben und litt am zu vielen Essen. Das Geschlechtliche war das Ventil, aus dem die krankhafte Spannung entwich, und der geschlechtliche Mißbrauch folgte der körperlichen Untätigkeit und der Unmäßigkeit des Essens und Trinkens auf dem Fuße. Aber das ging an die Nervenkraft, und alle Welt ging in die Sanatorien, um – die Zeit weiter totzuschlagen. Das große Heilmittel für die Neurastheniker und die anderen Leidenden, die Körperarbeit, wollte niemand versuchen. Hatte der Arzt eine Überzeugung, so mußte er sie für sich behalten, sonst kostete sie ihn die Kundschaft. Nur wenigen gelang es, sich dem großen Humbug mit Erfolg entgegenzustemmen. Nun hat der Krieg uns aus dem Hindämmern aufgeschreckt, uns den Abgrund gezeigt, an dem wir hintaumelten. Nun soll ernste, strenge, harte Arbeit uns einen ganz neuen Weg führen.

Aus Arbeit und rauhen Notwendigkeiten entstieg die Kraft und erblühte das Leben in tausend Schönheiten. Nun war die Kraft im Schwinden, und ihre Wiedergeburt, die Regeneration, muß auch erst wieder durch die rauhe Notwendigkeit der Arbeit, durch Einfachheit, durch Körperstählung und durch geschlechtliche Reinheit hindurchgehen.