Die schmerzhaften Gliederregungen, der gestörte Schlaf, das Angegriffensein des ganzen Nervenapparates, sind natürlich für den Patienten sehr angreifend. Der Verlust an Säften und Kräften läßt sich wohl auch bei jedem heftigen Tripper an dem schlechten Aussehen des Patienten erkennen.
Je nach Umständen läßt nach 3-4 Wochen die Heftigkeit des Ausflusses nach. Der Eiter verliert seine Dickflüssigkeit und gewinnt wieder das Aussehen wie zu Beginn der Krankheit; er wird wässeriger und heller.
Es kommt vor, daß ein leichter Tripper verhältnismäßig lange Zeit besteht und hartnäckig erscheint, daß aber andrerseits hin und wieder ein sehr heftig auftretender Tripper in kurzer Zeit verschwindet. Das hängt ganz von Konstitution und Lebensweise und von der im Körper wirkenden Heilkraft ab.
Meist hat der Tripper seinen Sitz zunächst in dem vorderen Teil der Harnröhre. Durch unrichtiges Verhalten, vor allem durch unzweckmäßige Behandlung, verbreitet er sich aber über den hinteren Teil der Harnröhre, und damit beginnt sein ernster Charakter, beginnen die Gefahren des Blasenkatarrhs, der Nebenhoden- und Prostataentzündung usw. Jetzt können Schäden entstehen, die im ganzen Leben nicht wieder gutzumachen sind, wenn nicht mit allem Ernst die Behandlung in die Wege geführt wird.
Wird die zweckmäßige Behandlung versäumt, so geht der frische (akute) Tripper in das chronische Stadium über. Damit gewinnt diese Krankheit ihren wahrhaft heimtückischen Charakter. Man kann deshalb nicht ernst genug raten, sofort nach dem Ausbruch der Krankheit einen Arzt aufzusuchen. Warnen muß man vor allem vor der Selbstbehandlung, die junge Männer auf den Rat „erfahrener“ Freunde beginnen, weil sie sich schämen, zum Arzte zu gehen, oder weil sie Störungen in ihrem Berufe und Entdeckungen seitens der Angehörigen fürchten. Wer sich nicht schämte, sich die Krankheit bei der Dirne oder einem sonstwie unerlaubten Geschlechtsumgang zu holen, der sollte auch den Mut besitzen, sich durch einen erfahrenen Arzt ausheilen zu lassen, um sich selbst und seine spätere Familie vor schlimmen Folgen zu bewahren. Die Selbstbehandlung ist ein Leichtsinn und eine Unklugheit, weil durch sie oft die Krankheit erst ins chronische Stadium hineingetrieben wird. Übrigens schützt das ärztliche Berufsgeheimnis den Patienten vor jedem bösen Klatsch und vor gesellschaftlicher Ächtung. Das ist bei der herrschenden besonderen Auffassung der Geschlechtskrankheiten doppelt wichtig. Zwischen der medikamentösen Behandlungsweise und der naturgemäßen entscheide ich mich unbedingt für die letztere, die in der ärztlichen Praxis mehr und mehr an Anerkennung und Würdigung gewinnt.
Ist der Tripper erst einmal chronisch geworden, so bietet er der Behandlung weit größere Schwierigkeiten. Im allgemeinen kann man die Erkrankung als chronisch ansehen, wenn sie einer zweckmäßigen Behandlung nicht innerhalb drei Monaten weicht. Dann wird der Tripper zu einem langwierigen, schleichenden Leiden, das monate- und jahrelang, ja durchs ganze Leben hindurch bestehen und schließlich tödliche Erkrankungen hervorrufen kann. Jedenfalls haben die neueren klinischen Erfahrungen das Gesamtbild des Trippers ganz wesentlich gefahrvoller erscheinen lassen, als man es früher glaubte. Subjektiv sind die Beschwerden zunächst nicht sonderlich groß und bestehen im wesentlichen darin, daß morgens die Harnröhrenmündung verklebt ist und auf Druck einen grau-weißlichen Schleimtropfen absondert, in welchem die bakteriologische Untersuchung manchmal Gonokokken, manchmal aber auch nur Eiter nachzuweisen vermag. Das Urinieren ruft häufig, besonders nach dem Genuß scharfer Speisen, Schmerzen hervor.
Was aber dem chronischen Tripper erst seinen heimtückischen Charakter gibt, das sind seine Folgeerscheinungen, von denen vorerst die gefährlichen Strukturen, das sind Verengerungen der Harnröhre durch Bindegewebswucherungen, zu nennen sind. Dieselben sind oft ungeheuer schmerzhaft, erschweren das Harnlassen und können zu schweren Nervenstörungen führen.
Zum zweiten ist zu nennen die sogenannte Prostatitis; das ist eine Entzündung der zwischen Harnröhre und Blase liegenden Vorsteherdrüse, die große Schmerzen hervorruft und mit einem starken Eiterausbruch endet. Auch diese Krankheit kann chronisch werden und ist dann verhängnisvoll für die Geschlechtstätigkeit, da sie sexuelle Neurasthenie hervorrufen kann.
Bei Vernachlässigung, namentlich aber bei der leichtsinnigen Selbstbehandlung und dem Gebrauch innerlicher, reizender Mittel, schließt sich dem Tripper ein Blasenkatarrh an, ein im akuten Stadium äußerst schmerzhaftes Leiden, das mit fortwährendem Harndrang verbunden ist und sehr leicht chronisch werden kann. Dann kann es monate- und jahrelang bestehen, ja während des ganzen Lebens eine Schwächung der Blase und ihres Schließmuskels hinterlassen und so zu einem ganz außerordentlich lästigen und hinderlichen Leiden werden. Ja, in der chronisch erkrankten Blase bildet sich der entsetzlich schmerzhafte Blasenstein, der die den Strukturen folgende Harnverhaltung unter Umständen zur Ursache schwerster Blutvergiftungen, Vereiterungen und tödlicher Prozesse werden lassen kann.
Zu den schlimmsten Folgekrankheiten des Trippers gehört die Nebenhodenentzündung, bei der im Zeitraum von einem oder mehreren Tagen einer der beiden Hoden anschwillt auf das Zwei- und Dreifache seiner normalen Größe, sich heiß und äußerst schmerzhaft anfühlt und das Gehen, sowie jede Bewegung unmöglich macht. Wird die Behandlung dieses Entzündungsprozesses nicht energisch, bei völliger Bettruhe, in die Hand genommen, so bleiben Verhärtungen zurück, die jahrelang oder auch während des ganzen Lebens bestehen bleiben.