Dazu stellt sich Fieber ein, Mattigkeit, Abgeschlagenheit der Glieder, rheumatismusähnliche Schmerzen in den Gelenken und den Knochen (namentlich in den langen Arm- und Schenkelknochen), am Tage Frostschauer und in der Nacht Schweiße, dazu schwere Gemütsverstimmungen.
In den Schleimhäuten zeigen sich vielerlei Störungen, vom einfachsten Katarrh angefangen bis zu den Papeln, die zu eiterigen Wucherungen (sogenannten Kondylomen) werden können. Diese treten vor allem gern im Rachen und im Munde auf und haben eine ungeheure Ansteckungsfähigkeit. Nie ist beim Besuch einer Prostituierten der Besucher sicher, daß nicht irgendwo am Körper ein Kondylom ihm die tückische Krankheit überträgt.
Häßlicher und schlimmer noch sind die syphilitischen Geschwüre, die noch in dem sekundären Stadium auftreten und als schmerzhafte Gewebszerstörungen überall im und am Körper auftreten können. So namentlich an den Nasenflügeln und dem Nasensteg, in den Mundwinkeln, am Zahnfleisch, an der Zunge, den Stimmbändern, dem Zäpfchen usw. Wie viele Redner, Sänger, Schauspieler usw. haben schon durch diese fressenden Geschwüre ihre Stimme und damit ihre Existenz und ihre Lebensfreudigkeit verloren! Wieviel Entstellungen des Gesichts, wieviel Sprachstörungen haben allein diese Ursache! Wohl selten ahnt jemand, daß der leichtfertige Augenblicksgenuß bei der Dirne oder das zufällige Geschlechtserlebnis der Straße ein so grauenhaftes Ende nehmen kann.
Manchmal, wenn der Kranke sich schon ganz oder fast ganz geheilt glaubt, bricht mit einem Male die Krankheit in voller Stärke wieder aus. Der ganze körperliche und seelische Jammer ist wieder da, und es ist wohl zu verstehen, von welch grenzenloser, dumpfer Verzweiflung oft die Unglücklichen befallen werden.
Glaubt man aber die sekundäre Syphilis völlig geheilt, ja, versichert sogar der Arzt, daß sie völlig geheilt sei, so liegt auch darin nicht eine Spur von Sicherheit; denn nach Jahren oder Jahrzehnten bricht die Syphilis mit völlig verändertem Charakter wieder aus und wird dann in der Tat furchtbar. Sie ist in ihr drittes (tertiäres) Stadium eingetreten und nimmt insofern einen gänzlich anderen Weg, als die sekundäre Syphilis ausschließlich die Haut und die Schleimhäute befällt, während im tertiären Stadium vorwiegend die inneren Organe (Knochenhaut, Muskeln, Darmsystem, Leber, Nieren, Lungen, Gehirn und das ganze Nervensystem) erkranken.
Bei der tertiären Syphilis erscheinen runde oder ovale Papeln, die bald geschwürig zerfallen und rotbraune Färbung gewinnen. Man nennt solch ein Geschwür Gumma. Mehrere Gummata können zu einem einzigen Geschwür sich vereinigen, das sich tief in das Gewebe hineinfrißt.
Das ist gerade das Entsetzliche dieser Gummata, daß sie die tieferen Gewebsschichten und die inneren Organe angreifen und diese zu geschwürigem Zerfall bringen.
So wird häufig die Nasenscheidewand durchgefressen, und die im Innern abgefressenen Gewebsteile werden beim Räuspern oder Husten ausgestoßen. Von den vorkommenden Kehlkopfzerstörungen ist wohl ein reichliches Teil auf tertiäre Syphilis zurückzuführen. Die schrecklichen und widerlichen Verwüstungen der Nase kann man ja hin und wieder auf der Straße beobachten.
Die Knochen erfahren Auftreibungen und Verdickungen und werden stellenweise ausgefressen, ausgehöhlt, so daß dauernde und auffallende Veränderungen zurückbleiben. Ja, es kann beispielsweise der lange Unterschenkelknochen so weit durchgefressen werden, daß er bei irgendeiner Gelegenheit bricht.
Besonders schmerzhaft und gefährlich ist das Gumma, wenn es am Schädelknochen sitzt. Dann frißt es sich bis zu den Hirnhäuten durch, durchlöchert also die Schädeldecke und kann das Leben zerstören.