Ein syphilitisch erblich zerstörtes Kind ist das Grauenhafteste, was man sich vorstellen kann. Ein jammervolles Leben, das schuldlos eine schwere Bürde trägt. Eine Haut, die unter Umständen mit roten Flecken, Blasen, nässenden Wunden und Eiterbeulen bedeckt ist, kranke, wuchernde Schleimhäute, chronische Nasen- und Ohrenkatarrhe mit eiternden, stinkenden Ausscheidungen, dazu wohl auch Taubheit, Blindheit, Knochenentzündungen und Knochenauftreibungen mit schrecklichen Formänderungen und ein rascher Zerfall der Zähne. Gehirn und Rückenmark sind meist bei solchen unglücklichen Kindern angegriffen, und es zeigen sich schon früh teilweise oder vollständige Lähmungen, Krämpfe, Zuckungen, Epilepsie und vielerlei geistige Störungen, von einfachstem Gedächtnisschwund und der Gemütsbedrückung angefangen bis zu Wahnvorstellungen, fixen Ideen, furchtbaren Ausbrüchen und völliger geistiger Zerrüttung.
Vierter Teil.
Der Kampf um Sittlichkeit und Gesundheit.
Das ist das Schreckbild der Geschlechtskrankheiten, und wer je offene Augen hatte, der wird nichts für Übertreibung halten.
Du kennst nun die Gefahr. Und die Gefahr wird deinen starken Willen wecken, und du beginnst den Kampf. Den Kampf? Gegen was? Gegen alles, was dich bedroht; denn ohne Kampf geht es nicht ab. Wahrlich, es gibt einen Kampf zwischen triebhaftem Leib und sieghaftem Willen. Mensch sein, heißt ein Kämpfer sein, und dieser Kampf ist der Menschheit urewiges Erbstück.
Schmiede Waffen für diesen Kampf! Und willst du die wirksamsten kennen, so suche sie im Widerstreit der Kräfte in deinem eigenen Körper und Geist. Auf Arbeit sind alle deine Kräfte eingestellt. Sinnliche Verschwendung zehrt an deiner Arbeitskraft, macht dich schlaff, unlustig, geistlos. Die Arbeit aber zähmt und bändigt deine sinnlichen Triebe. Darum stelle dein Leben auf Arbeit ein! Stecke dir ein Ziel, und setze an die Erreichung dieses Zieles alle deine Kräfte. Dann wird die Arbeit Inhalt und Halt deines Lebens, sie wird dir Sittlichkeit und Grundlage der Persönlichkeit werden.
Völker sind durch Arbeit groß geworden, sind mit ihrer Arbeit gewachsen, und es war stets ein Zeichen des Niederganges, wenn ein Volk sich teilte in Arbeitende und Müßiggänger. Denn unter diesen Müßiggängern, die nicht einen einzigen Tag mit ernsten Pflichten erwachen, sondern sich treiben lassen von ihren Stimmungen und Einfällen, führt die Sucht nach Unterhaltung über Sport und Spiel zu Liebesabenteuern und Geschlechtserregungen. Und je weniger der Körper durch den strengen Willen und die rauhe Notwendigkeit der Arbeit gebändigt ist, desto weichlicher und haltloser wird der Charakter, desto ungebärdiger und zügelloser die Phantasie, und eine wirre, unsaubere Sinnlichkeit erfüllt den Geist, dem durch Mangel an Arbeit die straffen Zügel genommen sind.
Sicherlich gibt es Menschen von ruhelosem Arbeitsdrang, Menschen, denen die Arbeit zum Laster, zur Krankheit, zu einem neurasthenischen Zwang wurde, die ruhelos arbeiten müssen, um die gejagten Nerven zu befriedigen und um sich über die entsetzliche Leere ihres Inneren hinwegzutäuschen. Solche Menschen sind uns nicht Vorbild. Sie sind die eine Ausschreitung, der Müßiggänger die andere.
Wie wohltuend steht dazwischen der ruhig und kraftvoll Arbeitende! Das, was er schafft, gibt ihm Ernst und Würde, gibt ihm Stolz, und in dieser Würde, diesem Stolz liegt die große Widerstandskraft gegen alles Schlechte. Die Arbeit ist eine innere Spannung, die über Mißgeschick hinweghilft und eine stille Fröhlichkeit um sich verbreitet. Wer sein Geld durch Arbeit erwarb, wird es höher schätzen, wird sparsamer sein als der Müßiggänger, der mit des Vaters ererbtem Gelde seine Stunden totschlägt und aus Überdruß nach vielen Genüssen nur noch den Geschlechtsgenuß kennt. Dann ist's mit der Arbeit vorbei, denn Arbeit verlangt Kraft und innere Stählung, und nichts zerstört diese Kraft so sicher, wie die Sinnlichkeit, wenn sie unbeherrscht und krankhaft in Leib und Sinn wühlt.