Niemand wird eine gesunde Sinnlichkeit abtöten können. Und niemand soll es tun. Aber sie soll als bewegende Kraft in der beherrschenden Kraft des Willens liegen und nicht durch beständigen Anreiz zu einer triumphierenden und den Menschen versklavenden Macht werden. Ernste Arbeit entzieht dich vielen solchen Anreizen, und ein festes Lebensziel fesselt deinen Willen an diese Arbeit.

Schopenhauer schrieb 1813 in sein Tagebuch: „An den Tagen und Stunden, wo der Trieb zur Wollust am stärksten ist, ... gerade dann sind auch die höchsten Kräfte des Geistes, ja das bessere Bewußtsein zur größeren Tätigkeit bereit, ob zwar in dem Augenblicke, wo das Bewußtsein sich der Begierde hingegeben hat und davon voll ist, latent; aber es bedarf nur einer gewaltigen Anstrengung zur Umkehr der Richtung, und statt jener quälenden, bedürftigen, verzweifelnden Begierde (dem Reich der Nacht) füllt die Tätigkeit der höchsten Geisteskräfte das Bewußtsein (das Reich des Lichts). In besagten Zeiten ist wirklich das kräftigste, tätigste Leben überhaupt da, indem beide Pole mit der größten Energie wirken. Dies zeigt sich bei ausgezeichnet geistreichen Menschen. In besagten Stunden wird oft mehr gelebt als in Jahren der Stumpfheit.“

Schiller hat diesen Gedanken in wundervolle Worte gekleidet:

Leidenschaften sind schäumende Pferde,
Angespannt an den rollenden Wagen.
Wenn sie entmeistert sich überschlagen,
Zerren sie dich durch Staub und Erde.
Aber lenkest du fest den Zügel,
Wird ihre Kraft dir selbst zum Flügel,
Und je ärger sie reißen und schlagen,
Um so herrlicher rollt dein Wagen.

Dein Leben gelte der Arbeit! In diesem Zeichen wirst du siegen.

Aber es gilt, auf der Hut zu sein, um alles zu vermeiden, was eine Geschlechtserregung herbeiführen könnte. Je gesünder und normaler der Organismus, desto gleichmäßiger sind seine Kräfte in den Nervenzentren verteilt. Der nervöse, überhaupt der geschwächte Mensch hat meist eine Schwäche und leichte Erregbarkeit im Lendenteil des Rückenmarkes. Hier ist der hauptsächlichste Sitz des Geschlechtsgefühls. Alles, was stark auf den Organismus einwirkt, trifft am meisten dies schwache und wegen seiner Schwäche leicht erregbare Fundament. Darum werden nicht nur rein geschlechtliche Dinge hier gefährlich, sondern auch ungünstige Einwirkungen durch Essen und Trinken, Überanstrengung, Trägheit, d. h. Mangel an Arbeit, falsche Lektüre, seelische Erregungen usw.

Natürlich ist der rein geschlechtliche Reiz der weitaus stärkste, weshalb denn für diese oft vorhandene Schwäche des Lendenmarkes nichts unheilvoller und verhängnisschwerer wird als Onanie oder vorzeitiger Geschlechtsumgang. Das Nervensystem neigt zur Periodizität, und jede Übung steigert die Reizempfänglichkeit. Es ist deshalb nicht ohne weiteres richtig, zu sagen, daß die Betätigung den Trieb befriedigt. Nein, durch die Geschlechtsbetätigung wird oft erst ein Bedürfnis geschaffen, was in gleicher Stärke vorher nicht vorhanden war.

Über die rein körperlichen Ursachen der Geschlechtserregung haben wir schon im ersten Teile gesprochen. Meide also das viele Stillsitzen, das den Unterleibs- und Geschlechtsorganen eine stockende Blutüberfüllung gibt und das Nervensystem in einen Zustand von Gereiztheit versetzt. Gerade das in den Schulen, in allen Studienanstalten und in allen Schreibstuben geübte dauernde Stillsitzen ist eine verbreitete Ursache der Onanie und aller sinnlichen Erregung überhaupt.