Bei hoher geschlechtlicher Reizbarkeit sind auch gewissen Sportsübungen sinnlichkeitsreizende Gefahren nicht abzusprechen. Das ist z. B. das Klettern, das Reiten und das Radfahren. Die Bewegungen und Reibungen der Geschlechtsorgane sind bei vielen erregbaren jungen Menschen nicht unbedenklich. Der beste Kenner dieser Dinge in Deutschland, Dr. Rohleder in Leipzig, behauptet, daß infolge des Reitens die Onanie bei der Kavallerie ungeheuer verbreitet sei.
Und noch eins ist zu erwähnen, das ist der Tanz. Er hat schon entwicklungsgeschichtlich so viel geschlechtlich-symbolische Züge, daß man auch seine sexualerregende Wirkung wohl verstehen kann. Wenn du durch ihn in dieser Richtung gefährdet bist, so schränke ihn ein. Ja, bringe unter Umständen deiner Gesundheit das Opfer, ihn ganz zu lassen. Jedenfalls bringe nicht Tanz und Alkohol zusammen; denn das leicht erregbare Nervensystem ist diesem doppelten Reiz nicht gewachsen.
Achte auf das Bett, wie ich schon früher sagte. Laß dein Lager kühl und hart sein und schlafe nicht länger, als es dir dienlich ist. Vor allem träume nicht im Bett in die Morgenstunden hinein.
Bade fleißig! Halte den Körper und namentlich die Geschlechtsorgane sauber. Schwimme und turne, wandere, singe und sei fröhlich!
An erster Stelle soll in der Pflege deines Körpers das Luftbad stehen. Ich hab's genau beschrieben in einem anderen Buche: „Die Heilkraft des Luft- und Sonnenbades“[7]. Nackt in der Luft stählst du die Nerven. Nur meide die starke Sonne und träges Herumliegen in der Sonne. Es erschlafft den Körper und kann sinnlich erregen. Hat es dich erschlafft, so nimm ein kühles Fluß- oder Brausebad. Überhaupt sind kühle Bäder und kühle Waschungen zuträglich, wenn die Gefahr der sinnlichen Erregung naht. Hast du morgens beim Erwachen Erektion, so stehe rasch auf, mache eine kühle Abwaschung und kleide dich rasch an. Aber übertreibe diese Dinge niemals, weil sonst Schwächung eintritt, die doch wieder zu sinnlicher Erregung führt. Übertreibe auch nicht bei gymnastischen und sportlichen Dingen, bei Wanderungen und ehrgeizigen Wettveranstaltungen. Alles Übermaß führt zur Disharmonie, und nur in der Harmonie aller Kräfte liegt die Möglichkeit zu ihrer Beherrschung.
Und sei einfach und mäßig in deiner Nahrung. Denke daran, daß jedes Übermaß deine Geschlechtsbegierde steigert, und daß namentlich Fleisch, Fleischbrühe, Wurst, Eier und alter, scharfer Käse, sowie Gewürze, die Sinnlichkeit erregen und den Kampf gegen diese namenlos erschweren. Wir Menschen haben meist keinerlei Vorstellung davon, wie eng unser ganzes geistiges und Gefühlsleben mit den Stoffen zusammenhängt, die wir als Nahrung zu uns nehmen. Nichts zeigt unsere Erdgebundenheit mehr, als diese unbestreitbare Abhängigkeit.
Namentlich das Abendessen sei einfach und mild. Du mußt es früh einnehmen, damit nicht die Arbeit der Verdauung deinen Schlaf stört und eine Phantasietätigkeit weckt, die dir gefährlich werden kann. Die einfachsten Speisen sind die zuträglichsten. Ein gesunder Geist und ein gesunder Körper neigen zur Einfachheit. Schwache Nerven erzeugen Unmäßigkeit und die Sucht nach Pikantem.
Auch erregende Getränke haben direkten und unzweifelhaften Einfluß auf Körper und Geist und namentlich auf die Geschlechtlichkeit. Und nichts gibt es, das in dieser Hinsicht so verderblich, so furchtbar niederreißend ist wie der Alkohol. Er ist ja innerhalb der menschlichen Gesellschaft geradezu der Quell aller unerlaubten, unsauberen Beziehungen, alles unehrlichen, schlechten Denkens und aller niedrigen, gemeinen Handlungen geworden.
Der Alkohol ist des deutschen Volkes angestammtes Laster. Schon die alten Deutschen verkauften im Trunk Haus und Hof, Weib, Ehre und Freiheit. Das Trinken ist Gewohnheit, Gesellschaftskodex, eiserner Bestand, historisches Gesellschaftsrecht geworden. Es herrscht überall und drückt allem Handeln der Deutschen seinen besonderen Stempel auf.
Eine fluchwürdige Entwicklung, in der man nicht weiß, was man mehr verachten soll, die Schlaffheit derjenigen, die immer weiter trinken, oder die Gewissenlosigkeit des Braukapitals, das an allen Straßenecken zum Trinken verleitet.