Und da haben wir schon einen Blick aufs Ganze. Da sehen wir schon Richtung und Weg und Ziel, und langsam formt sich aus den Nebeln der Unreife und Unklarheit ein Lebensbild.
Schau um dich in der Natur! Roh und formlos ist der Anfang. Gott aber blies allem seinen „lebendigen Odem“ ein. Was heißt das? Das heißt, daß in die brodelnden Urgewalten das Gesetz der Entwicklung hineingeworfen wurde, daß eine unendliche Harmonisierung den Lauf des Lebens begleitet, daß alles, was in die Bahn des Lebens geworfen wird, um seines Daseins Kreise zu vollenden, dem Göttlichen sich entgegen entwickeln soll.
So gehörst du nicht dir selbst, du bist ein Teil des Weltgeschehens, bist eine von den zahllosen Formen, in denen die Natur das Leben neu erzeugt, und in dir schlummert der göttliche Funke, der dich zum Menschen macht, der Funke, der durch dein Leben zur Flamme angeblasen werden soll, die dich läutert. Dieser göttliche Funke ist dein Gewissen, ist das Menschheitsgewissen, jener oberste Richter über Gut und Böse, der Ewigkeitsgesetze geschrieben hat und heute wie vor Tausenden von Jahren herrscht.
Die Menschen leben um des Besten willen. Die Entwicklung geht den Weg des Guten; denn das Gute ist die Entwicklung. Das Schlechte stirbt in sich, weil es dem Gesetz der Entwicklung widerstrebt.
So siehst du, werden wir Menschen durch ein geheimnisvolles und gewaltiges Gesetz geführt. Dies Gesetz, der sittliche Grundgedanke, zeichnet der Entwicklung ihren Weg. Wer sich gegen dies Gesetz vergeht, sei es, daß er dem unkontrollierten Genuß des Augenblicks huldigt, oder im materiellen Vorteil das Gewissen schweigen heißt, der versündigt sich gegen die Majestät der Menschheit, und er fühlt den leisen Mahner in seinem Innern, der ihm sagt. „Das durftest du nicht tun.“ –
Diese Sauberkeit und Klarheit des Gewissens mußt du dir erhalten, denn damit hast du die nötige Festigkeit in dir, um jenen Hohlköpfen und Wichten zu begegnen, die ihr Leben auf sich selbst, und damit auf nichts, gestellt haben; denn sie sind nichts, und das „Ich“, das sie in ihrer Phrase vom „Sichausleben“ in den Vordergrund drängen, ist wie eine taube Nuß. Je weniger fest und stark das Leben im Innern ist, desto ruheloser und schwankender wird es nach außen. Darum gerade verfallen sie einem unruhevollen Geschlechtsgenuß und ertränken ihr Gewissen in Lärm und Alkohol und vielen Phrasen von „Individualität“ und „Männlichkeit“. Diese Worte aber sind nichts als Angst und sind ein Versuch, den Starken, der wie ein stiller Vorwurf neben ihnen herschreitet, aus dem Wege zu räumen, das heißt, durch philosophische Phrasen zu sich hinabzuzerren und für ihre eigene Hohlheit breitzuschlagen.
Wenn du diesen Menschen begegnest, so wehre dich gegen sie! Wenn sie dir sagen. „Der Mensch gehört sich selbst, und niemand ist Richter über ihn,“ so antworte ihnen: „Nein! das Leben ist ein Geschenk der Natur. Niemand ist auf sich selbst gestellt, niemand gehört sich selbst. Feine Fäden verbinden die Menschheit in Glück und Leid miteinander, und jede schlechte Tat vermehrt das Leid und das Unglück, jede gute Tat aber ist ein kleiner Schritt weiter auf dem Wege der Bereicherung und Verschönerung des Lebens.“
2.
Volkstum.
Tiefgreifende Besonderheiten haben von jeher die Menschheit in Rassen und Völker geschieden.
Du gehörst dem deutschen Volke an! Vergiß das nicht! Und vergiß nicht, wenn du das Wort „Deutsch“ sprichst, daß es nicht eben bloß ein Wort ist wie tausend andere, sondern daß es aus fernen Jahrtausenden zu uns herübertönt mit ehernem Klang, einer Fanfare gleich, die schmetternd zum Appell ruft.