Wilhelm Walloth, geb. am 6. Okt. 1856 zu Darmstadt, kämpfte in den Reihen der Modernen an erster Stelle. Seine Romane aus dem Rom des Niederganges »Oktavia«, »Paris der Mime«, »Ovid«, »Dämon des Neides«, denen jede Konzentration fehlt, hielten nicht, was er früher versprochen. Mit seinem neuesten Roman: »Im Banne der Hypnose« erregte er statt Sensation Langeweile. Seine Dramen: »Marino Falieri«, »Johann von Schwaben« sind reich an schönen Einzelheiten, aber als Ganzes betrachtet verfehlt.

Wilhelm Arent, geb. am 7. März 1864 in Berlin, spielte früher auf der Bühne, später in der litterarischen Bewegung der 80er Jahre eine Rolle und war Mitherausgeber der »Modernen Dichtercharaktere«. Seine Poesie (mehr als 30 Bände!) ist überreich an Stimmung, aber form- und gedanken-, ja sinnlos.

Wolfgang Kirchbach, geb. am 18. Sept. 1857 zu London, schloß sich nur locker der »Moderne« an und ist immer mehr seinen eigenen oft sonderlichen Ideen nachgegangen. (»Ausgewählte Gedichte«, »Lebensbuch«, »Das Leben auf der Walze«.) Seine Dramen »Des Sonnenreiches Untergang«, »Gordon Pascha« fanden nur geteilte Aufnahme.


Socialistische Lyriker.

Arno Holz, geb. am 26. April 1863 in Rastenburg, ist allem Anschein nach ein Talent, das eine große Zukunft vor sich hat. Sein »Buch der Zeit« schlug neue, eigenartige Töne an und ließ H., der ursprünglich als Geibelianer auftrat, als den berufensten socialistischen Lyriker erscheinen. Aus seiner Verbindung mit Johannes Schlaf gingen die Novellen: »Papa Hamlet« und das naturalistische Drama: »Familie Selicke« hervor. Sein Drama »Socialaristokraten« fiel gänzlich ab und die neue Dichtkunst, die er im »Phantasus« predigt und für die er bereits eine »Revolution in der Lyrik« in Szene setzte, hat ihm nur mitleidiges Lächeln und Achselzucken eingebracht, obwohl sie sich schon durch ihre Einfachheit vorteilhaft vor anderen »Methoden« auszeichnet.

Karl Henckell, geb. am 17. April 1864 in Hannover, gab mit Arent die »Modernen Dichtercharaktere« heraus und stand mit seinen »Strophen« und »Amselrufen«, die sich durch Glätte und Formgewandtheit auszeichnen, an der Spitze der socialistischen Lyriker.

Maurice Reinhold von Stern, geb. am 3. April 1859 in Reval, hat eine außerordentlich bewegte Vergangenheit hinter sich, die ihn nach Deutschland, Amerika und der Schweiz führte. (Nach dem Zusammenbruch seiner Buchhandlung in Zürich postalisch und polizeilich nicht zu ermitteln.) In seinen »Proletarierliedern«, »Ausgewählten Gedichten« u. a. finden sich neben Naturbildern von Glanz und Stimmung, Plattes und Geschmackloses. Sein autobiographischer Roman »Walther Wendrich« zeigt seine Unfähigkeit, einen Stoff zu meistern und dichterisch zu gestalten. Großes auf kleines übertragen, gilt von ihm das Wort Goethes über Grabbe: »Er wußte sich selbst nicht zu zähmen, darum zerrann ihm sein Leben wie sein Dichten«.

John Henry Mackay, geb. am 6. Febr. 1864 in Greenock in Schottland, ist ein Dichter mit revolutionären und salonanarchistischen Tendenzen, in dessen Werken Denker, Dichter und Politiker in gleicher Weise zu Worte kommen (»Kinder des Hochlands«, »Arma parata fero«, »Sturm«, »Wiedergeburt«, »Gesammelte Dichtungen«, das Kulturgemälde: »Die Anarchisten« u. a.).