Weiter ziehen wir durch die öden Gebirge und folgen einem Flusse, dessen blaues Band tief unter uns sich hinzieht. Infolge der außerordentlich klaren Luft aber erscheint alles viel näher gerückt. Dann treten wir in die tiefe Schlucht ein, der unser nächster Halteplatz seinen Namen verdankt: Teng-i-Asau (die Schlucht des Asau). Dunkelrote Felswände türmen sich zu beiden Seiten auf, nur ein kleines Stück vom blauen Himmel freilassend. Auf einem Felsvorsprung thronte eine alte Lehmruine. Tot sieht die Landschaft aus; auf dem Monde kann es nicht trostloser sein ([Abb. 16])!

16. Öde Berge bei Teng-i-Asau

Am 12. November brechen wir wieder sehr früh auf. Es ist vier Uhr und so dunkel, daß wir keine Hand vor den Augen sehen können; es bleibt uns nichts übrig, als die Laternen anzuzünden. An der Spitze des Zuges marschiert Mesjidi Khan, und seiner blinkenden Laterne folgt die Karawane. Langsam bewegen wir uns den hohen Paß hinauf, der sich direkt hinter Teng-i-Asau erhebt. Die englische Karte verläßt uns hier ganz, denn auf ihr ist Teng-i-Asau nicht angegeben. Wir haben einen kleinen Gebirgsbach zu kreuzen, der rauschend gen Süden eilt. Alle kamen heil auf das andere Ufer, nur Juma glitt beim Springen von einem Stein auf den anderen aus und nahm zum Spaß aller Zuschauer ein kaltes Morgenbad.

17. An oberen Heri-rud bei Khassi

Das Steigen machte sich in der dünnen Luft wohl bemerkbar, und alle paar Minuten blieben auch die Pferde stehen, um sich zu verschnaufen. Als wir die Paßhöhe erreichten, dämmerte es bereits. Wir gingen auch weiterhin zu Fuß, um uns warm zu halten. Langsam begann sich der Himmel im Osten zu färben, immer mehr Einzelheiten im Landschaftsbild traten hervor; ein orangegelber Streifen kündet die Stelle an, wo die Sonne aufgehen würde, und bald floß ihr strahlendes Licht über die schweigende Bergwelt. Feuerrot leuchteten einige Konglomeratfelsen, die von den ersten Strahlen der Morgensonne getroffen wurden, während in den tiefen Tälern unter uns noch die blauen Schatten der Dämmerung lagen. Dann steigen wir in ein großes, breites Längstal hinab, in dem der größte Teil unseres heutigen Weges verläuft. Einförmige, verwitterte Berge rechts und links; dann und wann ein Ausblick auf höhere, schneebedeckte Gipfel im Süden und Norden. Menschen begegnen wir kaum; still, öde und verlassen ist die Gegend.

18. Afghanen
(von links nach rechts: Gulam Ali, Mesjidi Khan, ein Freund Gulam Alis)

Jeden Morgen um elf Uhr verteilt Juma das Frühstück, das wir im Sattel einzunehmen pflegen. Ein Stück trocken Brot, kaltes Hammelfleisch oder Huhn und ein paar getrocknete Aprikosen schmeckten uns trefflich. Gegen Mittag passierten wir einige Ruinen, in deren Gemäuer Raben hausten. Dann ging es stundenlang über bergiges Gelände. Gegen drei Uhr sahen wir von einer Anhöhe das Robat von Godar-i-Pam im Tale liegen. Ziegelrote, flache Berge heben sich scharf vom tiefblauen Himmel ab, und ich mache eine kleine Aquarellskizze von der bunten Landschaft.