Nach dem Leichenbegängnis des Vaters, als sie sich zum erstenmal allein zu Tische setzten, machte Adriaen, der den Platz des Verstorbenen eingenommen hatte, das Zeichen des Kreuzes und sagte das Vaterunser; Saft fügte das Ave-Maria hinzu. Dann sprachen sie nichts mehr. Nach beendeter Mahlzeit enteilte Adriaen zum Mesner. Saft, einen Korb auf der Schulter, begab sich in den Gemüsegarten, den sie an der Landstraße besaßen. Sie änderten in keiner Weise ihre eintönigen Gewohnheiten. Zu gleich früher Stunde ging ein jeder von ihnen auf verschiedenen Wegen zur Kirche. Gesondert kamen sie zurück. Zu Mittag setzten sie sich stumm und einsilbig an den selben Tisch, dann trennten sie sich, erleichtert, nicht mehr zusammen sein zu müssen.
In Safts Garten sprossen Pflanzen und Früchte willkürlich durcheinander, obwohl er, den Sonntag ausgenommen, all seine Nachmittagsstunden dort verbrachte. Das Grundstück war breit und von wilden Hecken umzäunt. Zuweilen sah man den Kopf des riesigen und ungeschlachten Gärtners aus einem Bündel trockenen Laubes auftauchen, das er auf seine Schultern geladen und quer auf den Weg trug, um damit eine rote und riesige Glut zu entfachen. Wenn er mit der Schaufel hantierte, machte es den Eindruck, als wollte er totschlagen oder begraben. In der Nähe des Düngerhaufens hatte er einen Verschlag eingerichtet. Auf den Brettern reihte sich ehrsam eine ganze Familie von Zwiebeln und Linsen. Unter einer Falltüre verbarg er Wacholderschnaps, den er gelegentlich von Schmugglern kaufte. Dies war sein Laster: sich hier fern von allen im Versteck zu betrinken. Sobald die Sonne untergegangen war, strich er durchs Land. Er hieb längs der Wege die jungen Bäume ab, riß Bretter aus den Stegen. Eines Nachts warf er einen ganzen Haufen Tollkirschen in einen Ziehbrunnen.
Adriaen lehrte die Chorknaben Hymnen und Psalmen. Seine steifen Finger bearbeiteten das alte Klavier der Pfarre. Er zwang sie, die hohen Noten so lang anzuhalten, bis ihnen der Atem verging. Oh! Qual und Krampf aus den Kehlen der kleinen Jungen zu pressen! Er peinigte sie im Namen der Heiligen und der Jungfrau bis zu dem Augenblick, wo er sie zur Belohnung mit unsanften Liebkosungen berührte. Sein schiefklaffender Mund und seine gelben viereckigen Zähne flößten Furcht ein.
Manches Mal begab er sich ans Ende des Dorfes zu einer widerlichen, eigensinnigen Betschwester, deren Reize vorsündflutlich waren und die er mit seinem Liebeseifer belästigte. Er hatte ihr eine Verkaufsbude für Wallfahrtsandenken eingerichtet. In Gesellschaft der kleinen Heiligen aus bemaltem Biskuit besprachen sie nebeneinander sitzend ihre Andachtsübungen, bis der Abend hereinbrach. Ihre Abschiedsbezeugungen im Dunkeln erschienen ungeheuerlich.
Eines Tages kehrte Saft zu Mittag nicht heim. Adriaen kam allein nach Hause. Sie nahmen die Gewohnheit an, einander während der Mahlzeiten zu fliehen und jeder für sich Küche zu führen.
Die alte Mie Bergman regte sich darüber nicht wenig auf. Adriaen gebrauchte die Ausrede, andere Gerichte zu lieben.
Bald vermieden sie auch, einander im Flur zu begegnen. Sie belauerten, bewachten einander hinter den Türen. Bevor sie ausgingen, wartete der eine, bis der andere verschwunden war. Sie richteten sich zwei Speisekammern ein. Saft hinterlegte in einem gemeinsamen Kasten die Gemüse, Adriaen das Pökelfleisch. Danach nahm jeder seinen Teil und versteckte ihn.