Wer betet oder spinnt und klagt,
Der habe meinen Segen.
Ich weiß allein, was mir behagt,
Und will des Lebens pflegen.
– Im November kam das Kind. Es war ein großer prächtiger Knabe, und Margret behauptete, es sei keins von ihren andern so schön gewesen. Sie konnte das schlafende Büblein stundenlang in ihrem Bette haben und es mit Glück und Rührung betrachten, auch fiel es mir auf, wieviel ängstlicher und sorgsamer als mit den Großen sie mit ihm war. »Es ist ein ganz Besonderes!« sagte sie oft, »ich seh es schon jetzt. Ich möchte gern, daß du ihm Patin wirst, Ageli, weil du so eine Liebe bist. Und du mußt mir versprechen, daß du für ihn sorgst, wenn wir es einmal nicht können sollten. Er soll es gut haben, Ageli, gelt, du verbürgst es mir?«
Ich versprach es; als das Peterlein getauft wurde, stand ich Gevatter, und im Innern machte ich Pläne mit ihm, als ob's mein Eigener wäre.
Etwa drei Wochen nach der Geburt des Kleinen sagte der Arzt zu Adolf und mir, daß Margret nicht mehr lange zu leben habe. Ich war gänzlich unvorbereitet, da sie ohne Schmerzen und immerwährend glücklich und vergnügt gewesen war, nun überfiel es mich mit Schrecken und Grauen; ich konnte es nicht fassen, war namenlos betrübt, daß das schöne und fröhliche Wesen nicht mehr sein solle und brach in ein fassungsloses Schluchzen aus. Adolf nahm es ruhig und schweigend auf.
– Wenn ich nun gedacht hätte, daß es bei Fouqués von jetzt ab anders werden würde, etwa stiller und ernster, so hatte ich mich gründlich getäuscht. Der Winter kam, und die Kinder waren meist auf das Haus und die Stuben angewiesen; nun trugen sie ihre Spiele, ihre Händel, ihren Unband und ihr Gelächter an Margrets Bett. Das Kleine lag in seinem Körblein daneben, krähte und strampelte, daß es eine Lust war, und alle Augenblicke stand Adolf da mit Blumen und Spässen, bereit zu Liebesdiensten und heiterer Gesellschaft. Margret wurde zwar matter, und an ihrem Körper sah man die Zerstörung wohl, aber es war keine Stunde, in der sie einen trüben Gedanken gehabt hätte und nicht befriedigt und strahlend glücklich gewesen wäre.
An einem Märztag, als die Kinder schon wieder draußen waren und Adolf auf einen halben Tag nach auswärts gereist, rief mich Margret zu sich. »Es ist mir ein bißchen bang,« sagte sie zu mir, »und ich kann es fast nimmer erwarten, bis Adolf da ist. Kann man nichts tun, daß er früher heimkommt?«