Nun war die Wäscherei jedesmal ungemein ergötzlich und beinahe so schön wie der Tanz am Sonntag. Draußen trieben die Knechte Narreteien und Spässe um die verriegelten Türen, und daß sie gern herein geguckt hätten, machte uns noch vergnügter. Man verführte ein großes Geplätscher und Rumoren in Waschschüsseln und Fußkübeln, spritzte sich und nähte einander die Strümpfe oben und die Hemden unten zu, wie derlei Sachen eben so im Brauch waren und einen zum Lachen brachten. Zum Schlusse wusch man sich gegenseitig die Haare und hockte dann zum Trocknen in unbegrenzter Behaglichkeit in der Dämmerung um den Herd herum, erzählte einander Gespenster- oder Liebesgeschichten, und es war schauerlich schön.
In diese Idylle brach nun eines Samstagabends der junge Gottfried Finkenlohr ein wie der selige Wolf unter die sieben jungen Geißlein, indem er sich an einem Seil durch den alten Rauchfang unbemerkt herunter ließ, uns eine Minute mit schallendem Gelächter betrachtete und dann flink und leicht wieder empor schwebte. Die Aufregung war rasend. Die alte Kätter, wähnend, es sei der Teufel, riegelte in gräßlichem Entsetzen die Tür auf und floh im Hemde durch das Haus; die kleine Gäns-Amei warf ihren Badzuber um, vor der nahenden Flut sprangen die andern auf den Tisch; in der nun geöffneten Tür standen brüllend vor Lachen die Knechte, und lange, nachdem der junge Uebeltäter verschwunden war, war das Haus noch von Lärm und Schrecken und Gejohle erfüllt.
Dieses hatte zur Folge, daß der junge Mensch am Sonntag morgen in seiner Großmutter Stube moralisch bearbeitet ward, bis er mürb war wie eine russische Bretzel, sodann, daß der alte Rauchfang in den folgenden Tagen zugemauert wurde und daß wir Mägde, dieweil wir uns an der Ehre gezwickt sahen, die Knechte mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln bearbeiteten, daß sie den Sünder ein wenig verhauen sollten. Nun, als er am Sonntag abend schon im halben Dämmer vom Haus herkam, um, wie er es immer tat, den Abend mit uns auf dem Hof zu sitzen, fielen sie unversehens über ihn her, und es sah gefährlich aus. Einen Augenblick schien es, als wolle er sich verzweifelt zur Wehr setzen, dann stieß er einen kurzen, komischen und betrübten Schrei aus, ließ sich blitzschnell auf den Boden fallen und blieb da steif wie ein Stock liegen. Die Kerle, die sich maßlos über seinen Streich gefreut hatten und ihm keineswegs ernstlich übel wollten, gingen sofort auf seinen Witz ein und ließen von ihm ab.
»Ihr seht,« wandte sich der Roßknecht erklärend an uns, »er ist schon hin; da ist nichts mehr zu verhauen!«
Der Knecht hob des jungen Menschen Arm ein wenig in die Höhe: steif und leblos fiel er wieder herunter.
»O Gott, ja,« sagte ein anderer bedauernd, »ganz verreckt, – wahrhaftig!« Ein Dritter schnüffelte an ihm herum. »Er stinkt schon,« sagte er, »wir wollen ihn begraben.«
»Wo?«
»Auf dem Mist!«
So legten sie ihn auf ein Brett, trugen ihn hinten in den Garten, wo ein Unkrauthaufen lag und ließen ihn langsam und feierlich drauf nieder. Dazu sangen sie in tiefen, düsteren Bässen:
»Stiefel muß sterben,