»Ich – ich möchte Sie um Verzeihung bitten für – für das am Samstag abend. Wenn ich gewußt hätte, daß Sie dabei wären, hätte ich es nicht getan. Es ist mir leid.«

Ich drehte mich um und mußte immer mehr lachen. »Ach, das ist ja schrecklich. Hat Sie Ihre Großmutter geschickt?«

»Nein. Das tue ich von mir selber aus. Sind Sie mir nicht böse?«

»Ach, nein, es war doch so lustig. Und man muß einen Spaß verstehen können.«

»Nicht wahr?« sagte er strahlend. »Ach, die Bestattung gestern war schön. Die Kerle haben das wundervoll gemacht!«

Von da an sprachen wir manchmal miteinander; und dann kam er eines Tags über den Hof gelaufen, aufgeregt, und die dunklen Flämmlein waren in sein Gesicht gestiegen. Er hielt ein Papier in der Hand, und dieweil ich den Hennen mistete, stand er vor mir, sprach atemlos auf mich ein und sah mich aus den guten und ehrlichen Bubenaugen glänzend an. Ich war verdutzt und erschrocken und begriff nicht, was er meinte.

»Ach, Fräulein Agnes, Sie müssen es mir nicht übel nehmen, wenn ich nun dahinter gekommen bin; ich kann nichts dafür. Ich mußte für die Großmutter in der Schatulle etwas suchen, und da kam mir's in die Hände, und ich weiß nun, daß es von Ihnen ist. O, ich muß es immer wieder lesen, es ist schön und wie von einem großen Dichter, und Sie sind geizig, wenn Sie so etwas für sich behalten, wissen Sie!«

Nun wußte ich freilich, was er meine: er hatte das Gedicht in der Hand, das mir an jenem Morgen eingefallen war. Das wurde nun auf einmal gefährlich lebendig; ich war voller Scham und hätte es gern wieder zurück gehabt.

»Ich meine,« sagte ich verlegen und nahm den Reisigbesen wieder in die Hand, »Sie sollten ein wenig da weggehen; Sie werden sonst dreckig.«

Er sah mich groß und betrübt an. »Sie tun ganz recht dran, wenn Sie mich verspotten! Da lauf ich an Ihnen vorbei, als ob Sie die Gäns-Amei wären, und Sie müssen auf dem Acker stehen und Rüben heraustun und Mist führen und haben so etwas Wunderbares in sich drin. O, ich schäme mich so! und ich meine, es müßte der Großmutter und allen auch so gehen, weil keiner gewußt hat, was für ein großer Mensch Sie sind. – Machen Sie denn oft so etwas? O, Sie müssen Mörike lieb haben, nicht wahr, wenn Sie so dichten?«