»Ich bin dann immer beschämt in mich gegangen. – Aber nun muß ich doch lachen, wie ich Ihnen das erzähle und tue, als ob ich Ihre Großmutter wär. Und ich bin doch im gleichen Spital krank!«
»Ach, da hat Ihre Freundin aber nicht recht gehabt,« rief er; »mein Gott, ja, wenn man sich Mühe gibt, kann man sich vieles abgewöhnen, und wenn ich arbeiten muß wie ein Zugochs, werde ich auch nicht mehr viel andere Gelüste haben als Hunger und Schlaf. Aber dann wär ich glücklich auf jenem Bäcken- und Flaschnersstandpunkt angekommen und müßte mich selber anspucken vor Verachtung. Wenn einer ein Dichter ist oder Musiker oder sonst irgend etwas Positives dabei leistet, dann lassen die Leute seine Art und seine Launen und seine Empfindsamkeit schon gelten; sie sind nur nicht zufrieden, wenn nichts dabei herauskommt.«
»Wer weiß,« fiel ich ein, »vielleicht werden Sie doch noch einmal ein Dichter. Wenn Sie doch das Spintisieren und Sonderbarsein dazu schon in sich haben.«
Nun sah er mich belustigt an. »Wissen Sie, ich hoffe immer, Sie verraten mir das Rezept dazu. Ich habe so eine blasse Vorstellung, daß man sich dazu auf sein Sofa setzt und das, worüber man dichten will, als Aufsätzlein oder in Stichwörtern sauber auf ein Papier schreibt:
Rose
Mädchen
duften
Abendsonne
wunderbar
und nachher probiert man dann, wie sich's reimt. Nicht wahr?«