»Ich darf mich doch setzen? Ich bin ein wenig müde von der Reise; aber ich will dich nicht lang aufhalten.«

Höhnisch sah ich ihr zu, wie sie ihren Schirm in eine Ecke stellte und sich einen Stuhl holte, und ich rührte kein Glied.

Wir blieben eine Zeitlang still, und ich überlegte schon, wie ich sie wieder hinaus werfen könnte, da fing sie von Gottfried an. »Der liebe Bub! Man kann es schier nicht begreifen –«

Nun hielt ich es nicht mehr aus.

»Damit Sie es nur wissen, Frau Finkenlohr, wir haben eine Liebschaft zusammen gehabt; es hat schon auf dem Zinken angefangen. Schimpfen Sie nur; Sie können ja jetzt doch nichts mehr machen!« Und es kam so gereizt und ruppig heraus wie nur möglich.

Die alte Frau blieb gänzlich unbewegt und verriet mit keiner Miene, ob sie das überrasche oder ob sie davon gewußt habe.

»Ich bin recht froh, daß ich gleich zu dir herauf gekommen bin,« sagte sie. »Mir scheint, daß wir einander nötig haben. Willst du dich nicht zu mir hersetzen? Komm, du hast mir ja noch nicht einmal einen Patsch gegeben.«

Dabei lag ihr Blick hell und so recht liebreich und fest auf mir, daß ich ihm nicht mehr ausweichen konnte, und während ich nun die alte Frau so anschaute, fiel es mir erst auf, daß ich sie zum allererstenmal in einem schwarzen Kleide sah und daß auch das Röslein auf ihrem Hut fehlte. Alles Farbige und Vergnügliche schien von ihr abgewischt, und sie sah recht alt und müde und bekümmert aus. Und als ich mich darauf besann, wie auch sie ihn so lieb gehabt hatte und wie es auch ihr jetzt weh tun mochte, daß er gestorben war, fing ich an, mich mächtig zu schämen.

Dann lag ich vor ihr und hatte meinen Kopf in ihren Schoß vergraben und schluchzte.

Später brachte ich sie zu Fouqués hinüber, in deren Gaststube sie nächtigen konnte, und ich war diesen und den nächsten Abend mit ihr zusammen. Wir sprachen viel, viel von Gottfried und gaben uns gegenseitig Mühe, einander zu trösten und Liebes zu tun und damit war schon ein Teil des ärgsten Schmerzes von mir genommen.