Früh am Morgen war ich wieder im Krankenhaus; mein Portier schien eben aufgestanden zu sein und war außerordentlich höflich. Er bedauerte, daß man so früh noch nicht fragen könne; doch werde er mich über das Schlimmste beruhigen können, die Nachtwache habe eben das Totenbüchlein herunter gebracht; er wolle nachsehen. Er ließ sich den Namen des Patienten nennen und schlug sein Heftlein auf.

»O, bedauerlich, bedauerlich – – hier, wollen Sie vielleicht selbst sehen, Fräulein?«

Da stand es:

Gottfried Finkenlohr, 19 Jahre alt, ex. am 8. II., 3 h 25 a/m. Dann kamen in einer Klammer noch zwei schwere lateinische Wörter, die ich nicht behalten konnte. Ich fragte noch, ob es sicher wahr sei, wenn es in diesem Büchlein stehe, was der Mann mir beinahe übel nahm und mit Eifer bejahte; dann meinte auch dieser etwas Frommes, ich hielt mich ein wenig an seinem Tisch, sagte danke schön und ging schnell hinaus.


Von den nächsten Tagen weiß ich nichts mehr, als daß ich gegen alle Leute böse und bissig war, mein Beihilfmädchen bei jeder Gelegenheit zornig anschrie und eine von Fouqués Katzen, die mir etwas stehlen wollte, beinahe tot prügelte. Bis ich am Abend des zweiten Tages, als es läutete, die Glastür öffnete, – und die alte Frau Finkenlohr draußen stand.

»Grüß dich Gott, Agnes; Ich bin wegen Gottfried hierher gekommen; – weißt du es schon – – –?«

»Ja,« sagte ich und starrte finster auf den Boden.

»Vielleicht hast du ein bißchen Zeit für mich? Wenn es nur ein kleines Weilchen wäre,« sagte sie freundlich.

Ich ging ihr stumm voraus in mein Zimmerlein und stellte mich gleichgültig ans Fenster.