Als ich am Abend zu Gottfried wollte, waren Bett und Stube leer; seine Hausfrau sagte mir, ein Arzt sei dagewesen, und vor einer Stunde habe man ihn ins Krankenhaus getan.

In einer wunderlichen und verwirrten Bestürzung ging ich eilig die Treppe hinunter und den Weg zum Krankenhaus, und richtig klar und angstvoll wurde mir erst, als ich in einer hell erleuchteten Vorhalle stand und mit dem kleinen, strammen Portier verhandelte.

»Die Besuchszeit ist vormittags von elf bis zwölf Uhr und nachmittags von zwei bis vier Uhr, Fräulein.«

»Ja, freilich; aber mein – Verwandter ist erst heute abend hierher gebracht worden, und ich muß ihn ganz notwendig noch geschwind sprechen, verstehen Sie doch!«

»Ganz unmöglich, Fräulein; durchaus gegen die Hausordnung!«

»Oder wenigstens fragen, wie es ihm geht!«

»Ich muß jetzt das Tor schließen, Fräulein; Sie können morgen anfragen – – –«

In meiner Verzweiflung zog ich den Geldbeutel heraus und gab dem Mann, was darin war; ich glaube, es war ein halber Monatslohn; darauf setzte er sich in Trab, und ich lief ihm nach über einen Hof und Gänge und Treppen, bis ich in einem kleinen, leeren Zimmer vor einer Schwester stand. Es gehe dem Herrn Finkenlohr nicht gut; Lungen- und Rippfellentzündung und noch etwas am Herzen; darauf sagte sie noch etwas Frommes, dann ging ich wieder.

Ziemlich blöde trieb ich mich alsdann in den Straßen herum, bis ich, dem Umsinken nahe vor Müdigkeit, Kälte und einem würgenden Bangen vor Gottfrieds Haus stand. Es stieg so etwas wie Freude in mir auf, als mir einfiel, daß ich den Hausschlüssel noch in der Tasche hatte. Leise wie eine Katze stieg ich zu Gottfrieds Stube hinauf, sie war offen, und ich schloß schnelle die Tür hinter mir zu. Ich zog Mantel und Schuhe aus und ging zum Bett hinüber, es war noch so unaufgeräumt und verwühlt, wie sie ihn draus weggebracht haben mochten. In meiner verzweifelten Müdigkeit legte ich mich drauf hin, und plötzlich spürte ich deutlich zwischen den Kissen und Decken noch eine leise Wärme, die von Gottfried herrühren mußte.

Ich kann nicht sagen, wie wunderlich und tröstend und lieb mir diese Wärme war und wie unendlich wohl sie mir tat. Ich deckte mich zu, wickelte mich fest darein und schlief schnelle ein.